Fragen zur Epoche III in Österreich von jemandem mit Migrationshintergrund

  • Hallo zusammen!



    Da ich meine jetzige bessere Hälfte ja erst seit dem Jahr 2000 kenne und damit Bezug zu Österreich habe (war für einen Norddeutschen schon fast exotisch Terretorium ;)) und sowieso mit "Baujahr 1974" etwas zu jung bin, um die Epoche III noch mit erlebt zu haben, ist eine Gestaltung meiner Module "so rund um 1960" dann und wann nicht so ganz einfach ... man muss also herumfragen und hoffen, dass es (noch) wer weiß ...


    Vielleicht kann mit ja der eine oder andere helfen ... und vielleicht hilft es sogar noch jemandem anders ... ich lege also mal los:


    Straßenmarkierungen/Schilder "Kurve"

    Auf der Schleppbahn gibt es eine Stelle, an der die Autos quasi "auf Schienen" fahren ... die Rillenschienen liegen hier in der Straße. Man muss dann jedoch aufpassen ... die Schienen führen (dann nicht mehr als Rillenschienen) geradeaus weiter, die Straße schwenkt nach links. Als Autofahrer also nicht gut, einfach geradeaus zu fahren ...


    Wie würde man das "so um 1960" gehandhabt haben? Markierungen auf der Straße (großteils gepflastert)? Schilder? Oder einfach nix ... ist ja keine Hauptstraße und ich glaube, dass man in der Zeit wirklich noch auf die Intelligenz der Autofahrer gezählt hat.


    Müllwagen

    Heißt/hieß der in Österreich überhaupt so ... Müll ist ja Mist ... aber "Mistwagen" habe ich noch nie gelesen oder gehört. Egal ... worum es geht: In Deutschland gab's damsl (wieder "so um 1960") gerne mal Müllwagen mit Doppel-/Mannschaftskabine, weil ja teilweise viele Blechtonnen zum Müllwagen geschafft und dann wieder zurückgetragen werden musste ... also gerne mal eine Arbeit für mehrere Leute ... Wie war das in Österreich?


    Ich sage schon einmal brav danke und bin gespannt, was da so an Antworten (Fragen, Meinungen, Kritik, ...) kommt!



    lg,

    Harald

    Fotos in meinen Beiträgen stammen - sofern nicht anders geschrieben - von mir.

  • Bei der Schleppbahn würde ich darauf tippen, daß man sich auf die Intelligenz der Autofahrer verlassen hat.

    Müllwagen: da erinnere ich mich an meine Kinderzeit in Linz. Damals hat die Müllabfuhr die Mistkübel aus dem Hof geholt und in das Müllauto gekippt. Zumindest in meiner Familie war das der Sprachgebrauch.

    Die Arbeiter der Müllabfuhr standen das ganze Jahr hinten auf Trittbrettern. Doppelkabine ist mir nicht erinnerlich, es wäre vermutlich auch nicht praktisch gewesen, weil sie ja alle Augenblicke herunter und hinauf mußten.

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, eigener Pfusch.

    Einen schönen Gruß vom Pfuscher-Hanns

  • Zur Markierung wird man damals eher gar nix gemacht haben. Evtl einen weißen Randstreifen oder allerhöchstens einen Richtungspfeil (quadratische, schwarze Tafel mit weißem Pfeil)

    Bilder in meinen Beiträgen sind mein Copyright, sofern nicht anders vermerkt.

  • Bei der Schleppbahn würde ich darauf tippen, daß man sich auf die Intelligenz der Autofahrer verlassen hat.

    Müllwagen: da erinnere ich mich an meine Kinderzeit in Linz. Damals hat die Müllabfuhr die Mistkübel aus dem Hof geholt und in das Müllauto gekippt. Zumindest in meiner Familie war das der Sprachgebrauch.

    Die Arbeiter der Müllabfuhr standen das ganze Jahr hinten auf Trittbrettern. Doppelkabine ist mir nicht erinnerlich, es wäre vermutlich auch nicht praktisch gewesen, weil sie ja alle Augenblicke herunter und hinauf mußten.

    In Wien waren umgangssprachlich die Mistkübler, sowohl Autos als Personal. Dokas kenn ich auch net.

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  • Meiner Erinnerung zur Folge bestand in den 60er/70er-Jahren eine Arbeitspartie der Muellmaenchen aus fuenf Personen in Wien.

    LKW-Fahrer, zwei Maenner welcher die Blechkuebel in den Wagen entleerten ( teilweise auf den Trittbrettern mitfuhren ) und zwei Maenner die am Nachmittag davor die Muelleimer aus den Hinterhoefen (Muellraeume hatte es damals wenige gegeben) auf den Gehsteig oder zwischen parkende Autos stellten. Am Tag der Muellabfuhr eben die Behaelter zum Muellfahrzeug brachten und anschliessend die leeren wieder in den Hinterhof brachten. Sie trugen einen Gurt mit zwei Buegel auf denen links und rechts ein Muelleimer gehaengt wurde.

    Der Muellwagen selbst hatte keine Doppelkabiene, da ja nur drei Personen zur Entleerung fuhren und die beiden anderen die Muelleimer fuer den naechsten Tag eines anderen Bereichs bereit stellten.


    Ad. Anschlussbahn im Strassenniveau: Da gab es im staedtischen Bereich keine Markierungen. Auf Strassen im freien Bereich nur die gelben Begrenzungslinien am Rande des gepflasterten/geteerten Bereich wenn die Bahngleise das Strassenniveau verliessen oder eingetreten hatten (je nach Seite aus welcher Richtung sie kamen oder fortfuehrten.

  • Als Verkehrszeichen könnte man §52/15d "vorgeschriebene Fahrtrichtung" oder auch §52/15c/e "vorgeschriebene Fahrtrichtung links/rechts" verwenden. Ergänzt oft mit Bodenmarkierung (Sperrflächen).

    Oft ist auch §52/1 "Fahrverbot" ggf. um §54 "Zusatztafel" ergänzt. zB Ausgenommen Schienenfahrzeuge.

    Hinweiszeichen §53 wäre möglich, wurde aber erst in der Moderne verbreitet verwendet.

    Hängt immer von der örtlichen Situation ab. Ein Foto oder eine Skizze wäre hilfreich.

    StVO 1960

    aktueller Verkehrszeichenkatalog


    In der Früh fährt die Müllabfuhr, im städtischen Bereich, mit Fahrer und meistens zwei Mann oft auch mit drei Mann vom Wirtschaftshof aus. Ein Mann steigt aus dem Müllwagen aus um die Mülleimer vorweg auf den Gehsteig zu stellen bzw. wird vorab an den Arbeitsplatz geführt, der zweite und dritte Mann holen die Mülleimer vom Gehsteig zum Fahrzeug und entleeren diese. Bei Wohnhausanlagen bzw. in dicht verbauten Einfamilienbezirken sind mehrere Mülleimer zu entleeren - daher zwei Mann um das ganze zu beschleunigen. Bei schmalen Straßen und jedenfalls auch bei Einbahnstraße von beiden Straßenseiten. Vom ersten bis letzten "Kunden" bzw. bei größeren Distanzen stehen die Müllmänner dann auf den hinteren Trittbrettern. Ich kenne und kannte (zirka Mitte 70iger) in Österreich nur kleine, einreihige Fahrzeugkabinen ohne zweite Sitzreihe.

    Müllabfuhr Wien

  • Boah, Jungs (ich hoffe, ich habe keine Mädels und Diverse übersehen) ... Ihr seid der Hammer!


    Besten Dank für die ganzen Infos! :)


    Mal schauen, was ich daraus mache ... so wird wohl zumindest das mit der Doppelkabine nichts. Schade.


    Doch halt! Zweiter Film, ab 1:50 ... es gab sie also doch! :24:



    lg,

    Harald

    Fotos in meinen Beiträgen stammen - sofern nicht anders geschrieben - von mir.

  • Der Begriff Müll ist ansich ein deutsches Überbleibsel aus dem 2. WK, bei uns war Mist die gängige Form..... So beschrieben im Buch "Renaissance der Schmalspurbahn"

  • In Innsbruck habe ich gelernt, daß der "Mist" "Mull" heißt, also Mullkübl für Mistkübel.

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, eigener Pfusch.

    Einen schönen Gruß vom Pfuscher-Hanns

  • Für meine Großmutter waren die Mistkübel die Coloniakübel

    Viele Grüße aus dem Marchfeld
    Michael


    PS: Bilder ohne Quellenangabe sind meine

  • Für meine auch!

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, eigener Pfusch.

    Einen schönen Gruß vom Pfuscher-Hanns

  • Das Personal (zumindest das kübelschwingende) heißt übrigens offiziell „Müllaufleger“, früher sagte man aber allgemein „Mistaufleger“, was heute wahrscheinlich nur mehr für einschlägiges landwirtschaftliches Gerät gebraucht wird.


    LG


    Martin.

  • Für meine Großmutter waren die Mistkübel die Coloniakübel

    Meine kannte so etwas gar nicht. Haben wir nicht gebraucht am Land. Die Hühner, die Hunde und das Schwein habe alles gefressen und Plastik hats damals noch nicht gegeben.

    Nicht eigens gekennzeichnete Fotos sind von mir, bzw. aus meinem Archiv und ich habe die Erlaubnis sie zu veröffentlichen.

  • Ich habe mich schon manchmal gefragt, ab wann es eigentlich mehr oder weniger bedenklichen Mist, Müll oder Abfall gegeben hat, den man nicht einfach "wegschmeißen" (statt des neumodischen "entsorgen") sollte, weil er in der Natur nicht vorkommt oder problematisch ist. Wahrscheinlich irgendwann nach Beginn des Industriezeitalters.

    Alle Fotos ohne zusätzliche Quellenangabe sind selbstgemacht!

  • Die Bezeichnung "Coloniakübel" entstand, weil die Wiener Stadtregierung nach dem Ersten Weltkrieg Kübel mit Deckel nach Kölner Vorbild eingeführt hat.

    Alle Fotos ohne zusätzliche Quellenangabe sind selbstgemacht!