Servus Zusammen,
da ich ich nicht wusste wohin dieser Thread am besten passt, stell ich ihn mal hier rein. Maßgeblich waren zwei aktuelle Anlässe, die ein bisschen zum Nachdenken anregen sollten:
Anlass 1 (eigentlich gar nicht so aktuell, sondern ständig vorkommend):
Ich fahre wie jeden Tag meine Runde zum Bäcker und es handelt sich hier um kein Einzelerlebnis; - ein etwa Zwölfjähriger, dessen Nase gerade eine symbiotische Verbindung mit dem Bildschirm seines Smartphones eingegangen hat, wankt mir entgegen. Obwohl die Straße gut 4 Meter breit ist, reduziere ich mein Tempo, denn das Bürscherl braucht wirklich die gesamte Straße um voranzukommen, so gebannt ist er vom Geschehen am Handy. Ich fahre rechts vorbei und ein paar Sekunden später, höre ich ein eher wütendes Hupen eines Autos. Mir hat das nicht gegolten, aber ich glaube zu wissen, wem...
Anlass 2: Heute gelesen im KURIER und hier ein Zitat aus der Frankfurter Allgemeinen:
Sie begann mit neun Jahren, Instagram zu nutzen – dann folgten Depressionen und Angst. Jetzt hat eine Jury in Los Angeles Meta und Alphabet verurteilt. Das Urteil sendet drei wichtige Signale.
Sieben Frauen und fünf Männer haben in Los Angeles eine Entscheidung getroffen, die einen Wendepunkt in der Debatte über die Haftung großer Technologiekonzerne darstellt. Die zwölf waren die Jury in einem Gerichtsprozess zwischen der 20 Jahre alten Frau K. G. M. – bekannt ist nur ihr Vorname Kaley – und den Firmen Meta sowie Alphabet. Deren Plattformen Instagram und Youtube hätten sie abhängig gemacht, Depressionen, Angst und ein verzerrtes Körperbild seien die Folge, so die Klage der Frau. Die Jury sprach ihr drei Millionen Dollar zu und belegte die Konzerne zudem mit einer Strafzahlung in derselben Höhe. Diese kündigten Berufung an. Dabei ist die Summe für sie ein Witz. Wichtiger sind drei Signale, die das Urteil sendet: ein juristisches, ein politisches und eines an die Wissenschaft.
Das juristische Signal ergibt sich aus der Fragestellung. Erstmals hat ein amerikanisches Gericht darüber entschieden, ob Internetkonzerne für die Schäden haftbar gemacht werden können, die das Design und die Funktionen ihrer Plattformen verursachen. Es ging nicht darum, was K. G. M. auf Instagram und Youtube zu sehen bekam – sondern wie. Für die Inhalte sind nach amerikanischem Recht nämlich die Nutzer verantwortlich, die sie dort einstellen. K. G. M. argumentierte daher, dass Designelemente wie endloses Scrollen, das automatische Abspielen von Inhalten und strategisch eingestreute Benachrichtigungen ihr geschadet hätten. Dass man die Plattformbetreiber dafür belangen kann, ist eine Rechtsauffassung, die ein Signal für andere Fälle dieser Art ist. Alleine in Los Angeles soll bald über acht ähnliche Klagen verhandelt werden.
Das politische Signal wird deutlich, wenn man die Biographie von K. G. M. kennt. Sechs Jahre alt soll sie gewesen sein, als sie anfing, Youtube zu nutzen. Mit neun soll sie ein Konto bei Instagram angelegt haben. Das dürfte gar nicht sein. In den USA legen die Plattformen ein Mindestalter von 13 Jahren fest, um Datenschutzbestimmungen zu entsprechen. Die Tatsache, dass sich dort trotzdem viele Kinder tummeln, und das Urteil geben denen Recht, die sich dafür einsetzen, den Zugang strikt zu kontrollieren. Wie das geht, führt Australien mit seinem Verbot gerade vor, für das sich die EU auch interessiert.
Das Signal an Wissenschaftler ist komplexer. Um es zu lesen, sollte man eine Wendung in der Debatte um die Wirkung sozialer Medien auf die Psyche junger Menschen kennen. Klar ist: Eine Social-Media-Sucht existiert nicht explizit als Diagnose. Große Studien zum Einfluss auf das Wohlbefinden sehen – wenn überhaupt – nur kleine Effekte. Einige Erhebungen bescheinigen Social Media sogar eine positive Wirkung. Experten weisen immer wieder auf diese Unsicherheit hin. Der Psychologe Christopher Ferguson von der Stetson University in Florida kritisierte in einem Statement das aktuelle Urteil daher als „sehr schlechte Entscheidung“. Die Schlussfolgerungen seien nicht durch wissenschaftliche Evidenz gestützt.
Nur um es klar zu stellen; - ich bin absolut kein Freund dieser sogenannnten sozialen Medien, da oft genug Missbrauch betrieben wird. Aber wohin soll das führen, dass jemand der sich, Kind oder nicht (hier sehe ich die Eltern in der Verantwortung) wissentlich, oder wie im Kindesfall auch nur animiert zu einer Handlung hinreißen lässt um dann jemanden der diese Möglichkeiten zur Verfügung stellt, auf Schadensersatz zu klagen. Ich weiß schon in Amerika kann sogar eingeklagt werden, wenn man die Mikrowelle zum Trocknen des gewaschenen Meerschweinchens verwendet, aber trotzdem; - was hat das jetzt für Konsequenzen? Jede Verkaufsplattform, die anbietet: "Kunden die dieses Produkt kauften, interessierten sich auch für jenes Produkt"; - usw.
Ich muss mir übrigens noch überlegen ob ich unser Forum nicht zur Verantwortung ziehen werde: Ich bin total süchtig danach ![]()