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Das Werkzeug des Heizers

  • 0815/Bastler
  • 1. Juli 2025 um 13:34
  • 0815/Bastler
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    • 1. Juli 2025 um 13:34
    • #1

    Immer wieder stoße ich auf kuriose Angebote auf Willhaben. Da werden alte Gartengeräte, vermutlich im Baumarkt gekauft, als angeblich originale Heizer-Schaufeln von Dampfloks angepriesen. :D
    Zum Beispiel so etwas wie: "Kohlenschaufel eines Heizers, der mit der Dampflok über den Semmering fuhr – vermutlich aus den 1950ern! Ein schönes Stück für alle Dampflokbegeisterten!"

    Solche Beschreibungen lassen mich schmunzeln – denn wer sich ein wenig mit der Materie auskennt, weiß: Eine echte Heizer-Schaufel sieht anders aus – und kommt sicher nicht mit einem Griff aus Plastik daher:

    HEIZERSCHAUFEL FÜR DAMPFLOK, € 25,- (2640 Gloggnitz) - willhaben
    HEIZERSCHAUFEL FÜR DAMPFLOK. 12.223.690 Angebote. Günstig kaufen und gratis inserieren auf willhaben - der größte Marktplatz Österreichs.
    www.willhaben.at

    Ein Faden zu Heizer-Schaufeln & Co.

    Ich mache hier mal einen Faden auf, um nach und nach ein paar Werkzeuge aus dem Bereich der Dampflok-Bedienung vorzustellen.
    Ich freue mich sehr, wenn auch andere etwas beitragen – mich interessiert nämlich, was aus dieser Zeit alles erhalten geblieben ist. Vielleicht kommt ja auf diese Weise eine kleine Sammlung historischer Ausrüstungsgegenstände zusammen. Nicht nur Heizer- und Tender-Schaufeln, sondern auch Ölkannen, Schmierdornen, Ölspritzen, Handlampen, Fackeln usw.

    Die ausführliche Geschichte, warum ich inzwischen so viele Schaufeln besitze, erspare ich euch – das will wirklich niemand lesen.
    Kurzfassung: Als ich mal dringend eine vernünftige Schaufel gebraucht hätte, war weit und breit keine aufzutreiben. Also dachte ich: Dann kauf ich mir eben selbst eine.
    Kaum war die erste – die eine – da, brauchte ich sie plötzlich nicht mehr.
    Und dann... liefen sie mir regelrecht zu.

    Mittlerweile bin ich gut eingedeckt – und habe aber nach wie vor keinen wirklichen Verwendungszweck mehr dafür. Trotzdem halte ich die Augen offen nach guten, günstigen Stücken. Wenn ich eine bessere finde, gebe ich die schlechtere kostenneutral an jemanden ab, der sie brauchen kann – und freue mich an der besseren.
    Und wenn mir eine bislang unbekannte Ausführung unterkommt, ist die Freude natürlich besonders groß. Wer weiß – vielleicht ergibt sich ja irgendwann wieder eine praktische Nutzung.

    Ich werde in nächster Zeit jeder Schaufel einen eigenen Beitrag widmen – mit ein paar Hintergrundinfos und dem Versuch, einen roten Faden durch das Ganze zu ziehen.

    Wegen dem roten Faden kommen hier die deutschen Schaufeln vor den österreichischen.
    Los gehts:

  • 0815/Bastler
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    • 1. Juli 2025 um 13:39
    • #2

    Meine erste eigene Heizerschaufel – ein Fundstück von Idealspaten

    In Österreich tauchen auch relativ viele Schaufeln der Firma Idealspaten auf – jedoch meistens als Koksschaufeln für Heizungsöfen. Typisch sind dabei Griffe mit Metallbeschlägen. Solche Ausführungen sind mir von echten Heizerschaufeln allerdings nicht bekannt – und ich halte sie auch für vollkommen unzweckmäßig. Traditionell wurde beim Heizen ohne Handschuhe gearbeitet, und mit Metallgriffen sind Blasen da geradezu vorprogrammiert.
    Zudem nimmt Metall die Umgebungstemperatur sofort auf – sei es Hitze (z. B. auf einer Tenderlok) oder Kälte (etwa auf einem offenen Schlepptender im Winter).
    So etwas taugt aus meiner Sicht nicht als Werkzeug für einen Heizer auf einer Lok.

    Die unterschiedlichen Varianten an D-Griffen aus Holz – sei es in Form oder Machart – finde ich dagegen bis heute immer wieder spannend. Da gibt es viel zu entdecken.
    Ob die ÖBB auch Heizer- und Tenderschaufeln importiert und verwendet hat, ist mir nicht bekannt. Fest steht aber: Idealspaten ist bis heute ein bedeutender Anbieter für solche Werkzeuge.

    Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1899, als Emil Eckardt in Herdecke an der Ruhr die Firma gründete. Besonders innovativ war die von ihm entwickelte Walztechnik, durch die es erstmals möglich wurde, Spatenblatt und Feder – also das Aufnahmeelement für den Stiel – aus einem einzigen Stück Stahl zu fertigen. Diese Bauweise erhöhte die Stabilität und Langlebigkeit der Werkzeuge deutlich.

    Bereits 1903 kam der erste „IDEAL-Spaten“ auf den Markt, und nur zwei Jahre später ging ein Drittel der Produktion bereits in den Export.
    Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Jahr 1929 übernahm eine Unternehmergruppe unter der Leitung von Dr. Otto Thomashoff das Unternehmen. Seitdem ist der Name „IDEAL-Spaten“ fest im Firmenlogo und -namen verankert.

    Im Jahr 1971 erfolgte die Fusion mit der Schaufelfabrik A. Bredt & Co. KG aus Witten. Aus dieser Verbindung ging die heutige IDEALSPATEN-BREDT GmbH & Co. KG hervor.

    Heute fertigt das Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitenden jährlich etwa eine Million Spaten und Schaufeln und bietet ein breites Sortiment an Garten- und Bauwerkzeugen an.

    image.png

    (Geschichte und Foto: IDEALSPATEN-BREDT GmbH & Co. KG)

    Wie schon eigeleitet, war diese Schaufel die erste, welche ich mir selber zugelegt habe – angeboten wurde sie in den Kleinanzeigen für einen Zehner. Ein schönes Stück, wie sich herausstellte.

    Im Produktkatalog von 1930 kann man die verschiedenen Schaufelgrößen und -formen im Detail nachschlagen:
    🔗 Eckardt & Co. – Katalog 1930

    Anhand eines alten Aufklebers, der sich noch mit letzter Kraft auf dem Blatt hielt, ließ sich diese Schaufel in die 1920er Jahre datieren. Eine Tenderschaufel Nr.157 Größe 0.
    Vielen Dank an Jutta Gruse von der IDEALSPATEN-BREDT GmbH & Co. KG, die mir da bei der Einordnung geholfen hat! Den Aufkleber habe ich dann ganz abgelöst und gesichert.
    Bei den meisten anderen Schaufeln ist eine eindeutige Zuordnung deutlich schwieriger – viele Hersteller existieren heute nicht mehr, sind unbekannt, oder es fehlen jegliche Produktkataloge. Solche Quellen sind leider nur sehr selten erhalten geblieben.

    0006_web.jpg

    IMG_20201113_115549_web.jpg

    IMG_20250619_132217_web.jpg

    IMG_20250619_132232_web.jpg

    IMG_20250619_132242_web.jpg

    Zum Vergleich habe ich deshalb alle Schaufeln mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln vermessen. Die Maße sind jeweils auf 5 mm gerundet. Leider hatte ich keine vernünftige Waage zur Hand. Bei Interesse kann ich das Gewicht aber nachreichen.

    Den Winkel habe ich berechnet, indem ich das Schaufelblatt plan aufgelegt und vom hinteren Rand aus die horizontale Länge sowie die Höhe zum Griffansatz gemessen habe. Aus diesen Werten ließ sich dann ein Vergleichswinkel ermitteln.

    Eckardt & Co. Nr. 157 Größe 0:
    Blattlänge 40 cm
    Schaufellänge 58,5 cm
    Gesamtlänge 113 cm
    Blattbreite 20 cm
    Blatttiefe 5,5 cm
    Griffbreite 11 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~30°


    Maßblatt.jpg

    6 Mal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (4. Juli 2025 um 11:04)

  • 0815/Bastler
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    • 1. Juli 2025 um 13:42
    • #3

    Idealspaten im DB-Design – Fundstück aus Kempten

    Diese Schaufel lässt sich dank eines gut erhaltenen Stempels eindeutig dem Hersteller Idealspaten zuordnen – allerdings ist sie im typischen Design der DB-Heizerschaufel gefertigt.

    Das Stück stammt aus Kempten und war Teil des Nachlasses eines Lokführers. Die Schaufel weist bereits deutliche Abnutzungsspuren auf – aber genau das verleiht ihr meiner Meinung nach eine gewisse Würde und Authentizität.

    Auffällig ist der kurze Stiel, was darauf hindeutet, dass sie vermutlich auf einer Tenderlok im Einsatz war – dort, wo enge Platzverhältnisse kompakteres Werkzeug erforderten.

    DB-Schaufeln tauchen immer wieder mal recht günstig auf dem Markt auf. Für einen Fünfer, wie in diesem Fall, finde ich: Kann man ruhig mitnehmen – auch wenn das Stück heute eher als Deko-Objekt taugt und nicht mehr wirklich als Werkzeug verwendet wird.

    IMG_20250619_130238_web.jpg

    IMG_20250619_130130_web.jpg

    IMG_20250619_130148_web.jpg

    IMG_20250619_130203_web.jpg


    DB-Schaufel von Ideal-Spaten mit kurzem Stiel:
    Blattlänge 46 cm
    Schaufellänge 62 cm
    Gesamtlänge 100 cm
    Blattbreite 24 cm
    Blatttiefe 5 cm
    Griffbreite 13 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~22°

    2 Mal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (2. Juli 2025 um 10:30)

  • 0815/Bastler
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    • 1. Juli 2025 um 13:47
    • #4

    Tenderschaufel aus Kempten

    Diese Schaufel lässt sich leider keinem konkreten Hersteller zuordnen.
    Sie stammt ebenfalls aus Kempten und aus demselben Nachlass wie das zuvor vorgestellte Stück.

    Auch sie zeigt deutliche Abnutzungsspuren. Der längere Stiel ist relativ grob gearbeitet, was ihr einen gewissen rustikalen Charme verleiht. Nimmt man die Maße aus dem Produktkatalog von Eckardt & Co. als Vergleichsbasis, entspricht sie in etwa einer Tenderschaufel der Größe 3 – allerdings mit einem bereits stark abgenutzten Schaufelblatt. Dass hier rund 11 cm an Länge im Lauf der Jahre verloren gingen, ist absolut denkbar. Ein besonders extremes Beispiel für Verschleiß zeige ich euch später noch.

    Für einen Fünfer musste ich sie einfach mitnehmen – schon allein deshalb, weil sie offensichtlich tatsächlich im Lokbetrieb im Einsatz war.
    Sie hebt sich in der Blattform deutlich von den anderen Stücken ab. Auch Stiel und Griff wirken gröber gefertigt – was mir persönlich sehr gut gefällt. Besonders schön finde ich das typische Verschleißbild: Das Schaufelblatt ist durch die schräge Arbeitshaltung (Stand zum Schaufelblech) asymmetrisch abgenutzt – ein klares Zeichen für echte Benutzung.

    Bei dieser Schaufel würde es sich durchaus lohnen, das Blatt anzuschuhen und ihr einen neuen Stiel zu verpassen – um sie vielleicht sogar wieder arbeitsfähig zu machen. Was Größe, Winkel und vor allem das Gewicht angeht, ist sie auf jeden Fall eine solide Schaufel mit Potenzial.

    IMG_20250619_130022_web.jpg

    IMG_20250619_130040_web.jpg

    IMG_20250619_130101_web.jpg

    Tenderschaufel aus Kempten:
    Blattlänge 44 cm
    Schaufellänge 60 cm
    Gesamtlänge 119 cm
    Blattbreite 24,5 cm
    Blatttiefe 6 cm
    Griffbreite 10,5 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~21°

    Hier noch einmal die zwei "Kemptner" nebeneinander:

    IMG_20250618_162530_web.jpg


    Das war es fürs Erste. Sobald ich Zeit finde bereite ich die nächsten für hier auf, ich hoffe es gefällt.

    2 Mal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (2. Juli 2025 um 10:30)

  • curator
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    • 1. Juli 2025 um 15:46
    • #5

    Sehr interessant, bitte um Fortsetzung 🤝

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    "Mich muss man sich nervlich auch leisten können“

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.

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    • 1. Juli 2025 um 17:38
    • #6

    Könnte das eine Heizerschaufel der Dampfloks auf der Schneebergbahn gewesen sein.

    OM510313_DxO_01.07.2025_Heizerschaufel.jpg

    Der Haus-Vorbesitzer hat sie da gelassen und gesagt das das eine Heizerschaufel sei.

    Grund: der beengte Platz in den Loks der Zahnradbahn und deshalb der kurze Stiel.

    Ich habe sie natürlich zweckentfremdet benutzt.

    Liebe Grüße
    Helmut

    Anlage Puchberg

  • 0815/Bastler
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    • 1. Juli 2025 um 23:47
    • #7

    Hallo Helmut,

    schwer zu sagen... aber eher nicht.
    Mit dem Betrieb am Schneeberg habe ich mich noch nie tiefgründig auseinander gesetzt. Aber ich vermute, dass auch dort üblicherweise die "normalen" Heizer-Schaufeln wie auf Schmalspurloks oder kleinen Tenderloks zum Einsatz kamen. Für den Schafberg konnte ich jetzt auf zwei Fotos solche finden.

    Screenshot 2025-07-01 224612.png


    Screenshot 2025-07-01 224752.png


    Deine Schaufel sieht aus wie die "Stahlblech-Universalschaufel" von Offner oder die "Stahlblech Wandschaufel" von Kernhof. Der Stiel dürfte ein normaler T-Stiel von einer Grabgabel sein.
    Gerade für Spaten und Gabeln zum graben bietet dieser ja den Vorteil, dass man nach dem stechen mit beiden Händen relativ ergonomisch horizontal große Kräfte übertragen kann (zum losbrechen)

    Edit bzw. Nachtrag vom 12.12.25:
    Dürfte eine "Stahlblech-Autoschaufel" von Offner sein, habe die erst später gefunden und erst jetzt daran gedacht das hier nachzutragen. Kannte ich nicht.

    L05002V-1.jpg

    Stahlblech-Autoschaufel - Offner Werkzeuge
    mit Stiel
    wzi.offner.at


    ABER:
    Die Engländer haben bevorzugt nur solche Stiele auf ihren Heizer-Schaufeln. Was ich persönlich nicht ganz verstehe, da dies (aus meiner Sicht) beim Handling einige Nachteile zum bei uns üblichen D-Griff hat.

    heavy_duty_firing_shovels.jpg

    siehe hier: https://footplateequipment.co.uk/product/firing-shovel-heavy-duty/

    Wie es jedoch schon ganz am Anfang steht "Das Werkzeug des Heizers".
    Ich würde mir jetzt schwer tun damit abzustreiten, dass diese Schaufel von dir jemals von einem Heizer am Schneeberg verwendet wurde, wenn dir das so gesagt wurde.
    Aber die Form ist keine klassische Heizerschaufel.

    Wie bei allen Handwerkzeugen gibt es da natürlich persönliche Vorlieben, körperliche Einschränkungen, Überzeugungen, spezielle Rahmenbedienungen etc. die Leute Werkzeug anders verwenden lassen, oder den Einsatz von einem anderen Werkzeug erfordern.

    Es war sicherlich möglich bei der ÖBB dieses Schaufelblatt und den Stiel über ein "Magazin" zu ordern, Kohle schaufeln kann man auch damit... auch wenn da sicher nicht viel drauf geht.
    Die Vorteile die ein längeres Schaufelblatt bietet, wird man bei den Zahnradloks vermutlich nicht brauchen. (geht ja immer nur bergauf ;))
    Normalerweise hat man ja auch eine Hand auf der Feder... die ist aber dafür ziemlich kurz und der Schrauben der dort rausschaut ist auch alles andere als optimal für die Handhabung beim feuern... ich könnte damit nicht umgehen und würde eine andere verwenden.

    Einmal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (12. Dezember 2025 um 18:29)

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 00:11
    • #8

    LAMATOR – Die wohl unbedeutendsten Schaufeln aus österreichischer Sicht
    Deshalb fasse ich hier ein paar zusammen...

    Aus österreichischer Perspektive zählen die Schaufeln der LAMATOR GmbH (Landmaschinenbau Torgau) wohl zu den unbedeutendsten. Dennoch lohnt sich ein Blick auf ihre Herkunft – nicht zuletzt, weil sie historisch eng mit der Deutschen Reichsbahn verbunden sind.

    Das Unternehmen geht zurück auf eine Gründung aus dem Jahr 1878 durch Wilhelm Stoll in Luckenwalde. Während der DDR-Zeit erlebte es seine Blüte:
    Ab 1956 entwickelte sich der VEB Landmaschinenbau Torgau unter dem Markennamen LAMATOR zu einem Großbetrieb mit rund 1000 Beschäftigten, der eine breite Palette landwirtschaftlicher Geräte fertigte.

    Zum Sortiment gehörten auch Heizerschaufeln – unter anderem für die Deutsche Reichsbahn, teils auch unter dem bekannten DDR-Markennamen „Fortschritt“.

    LAMATOR existiert heute in Teilen weiter, als Lamator GmbH, spezialisiert auf hochwertige Qualitätszinken und federnde Werkzeuge für die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung.

    Von den früheren Schaufeln kursieren teilweise noch große Restbestände oder Ausschussware. Diese tauchen immer wieder auf dem Markt auf – etwa auf Flohmärkten oder Kleinanzeigen. Leider ist die Qualität dabei sehr durchwachsen: Viele Blätter sind verzogen, mit Falten, oder schlicht unbrauchbar als echte Heizerschaufeln.

    Hier ein Blick in einen historischen LAMATOR-Katalog, der einmal auf eBay angeboten wurde:

    Screenshot 2025-02-12 152804.png

    Vor einigen Jahren konnte ich ein kleines Konvolut an Reichsbahn-Schaufelblättern günstig erwerben. Ich musste damals etwas in Leipzig abholen und habe, wie so oft, in den Kleinanzeigen nach interessanten Dingen gesucht, die man unterwegs gleich mitnehmen kann.

    Fündig wurde ich bei einem Paket bestehend aus einem großen und drei kleinen Schaufelblättern – alle in brauchbarem Zustand.
    Ursprünglich hatte ich es eigentlich nur auf eine kleine Schmalspurschaufel abgesehen. Aber: Wenn vier günstiger sind als eine, sagt man nicht nein.

    Eine der kleinen habe ich aufpoliert und einem Freund in England geschenkt – kam gut an.
    Leider habe ich die nicht fotografiert.

    Ganz nach dem Motto:
    „Wer anderen eine Grube gräbt, braucht ein Gruben-grab-Gerät“,
    kann man sich die Dinger ruhig einstielen und verwenden. Und hübsch anzusehen sind sie obendrein. Gerade die kleinen Schmalspurschaufeln haben eine sehr praktische Größe.
    Eine tut heute ihren Dienst im Garten – ganz unspektakulär, aber zuverlässig. Super zum Komposthaufen umräumen... ;)

    IMG_20200307_104428_web.jpg


    Passende Stiele gibt es übrigens nach wie vor im Baumarkt – z. B. bei Hornbach Deutschland:
    🔗 Spatenstiel mit D-Griff – 850 mm, Ø 41 mm (Hornbach)

    Edit: Gerade wieder drüber gestolpert: Das dürfte der Erzeuger der Stiele sein
    D-Griff-Stiele – Stielfabrik Bröker

    Die Beste habe ich als Heizerschaufel aufgearbeitet.

    IMG_20250619_132559_web.jpg


    IMG_20250619_132448_web.jpg


    IMG_20250619_132512_web.jpg


    IMG_20250619_132523_web.jpg

    Blattlänge 41 cm
    Schaufellänge 57 cm
    Gesamtlänge 99 cm
    Blattbreite 19,5 cm
    Blatttiefe 5 cm
    Griffbreite 12 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~33°

    3 Mal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (3. August 2025 um 16:37)

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 00:38
    • #9

    Der große Reichsbahn-Löffel

    Die große Schaufel aus dem zuvor beschriebenen Konvolut habe ich ebenfalls eingestielt.
    Ehrlicherweise muss ich sagen: Ich habe diesen Typ in der Praxis immer gemieden, wenn es irgendwie vermeidbar war. Das ist wirklich ein gewaltiger Löffel, der eine ganz eigene Technik verlangt.
    Aber: Ab einer gewissen Rostgröße ist er fast unumgänglich – da hilft dann keine kleine Schaufel mehr.

    Ich habe das gute Stück schließlich einem befreundeten Heizer überlassen, der diese Schaufel mehr zu schätzen weiß als ich – und sie auch meisterlich einzusetzen versteht.
    Zumal ich Jahre später etwas noch Besseres in die Hände bekam...

    Eine reicht im Fundus.
    Aber man braucht so ein Exemplar schon – allein schon, um die Größe der anderen Schaufeln im Vergleich richtig einordnen zu können. 😄

    IMG_20200307_104455_web.jpg IMG_20200307_104505_web.jpg


    Die Neuauflage der großen DR-Schaufel – Thomas Kollosche / Kollosche Modellbau:

    Die sogenannte „Kollosche“ ist nichts, dem man mühsam hinterherjagen muss – man kann sie ganz unkompliziert kaufen.

    Ein gutes Vierteljahrhundert nach dem letzten nennenswerten Planeinsatz von Dampfloks in Mitteleuropa sind die verbliebenen Original-Schaufeln in keinem besseren Zustand mehr. Die brauchbaren Restbestände neigen sich dem Ende zu. Eine Ersatzbeschaffung blieb lange aus: Der letzte bekannte Hersteller der DR-Schaufeln hatte seine Produktion eingestellt, und Verhandlungen über eine Neuauflage mit einem europäischen Anbieter verliefen im Sand.

    Mangels Alternativen griff Thomas Kollosche selbst zunächst auf die kürzere DB-Schaufel zurück – ergonomisch allerdings alles andere als ideal, vor allem für Menschen über 1,90 m.

    Der entscheidende Wendepunkt kam, als er ein unbenutztes, symmetrisches Schaufelblatt erhielt, das nie regulär im Einsatz war. Aus diesem seltenen Stück entwickelte er eine detaillierte 3D-Konstruktion, die als Basis für eine Neuauflage diente.

    Nach längerer Suche fand sich ein Unternehmen in Fernost, das sich trotz kleiner Stückzahlen bereit erklärte, das Projekt zu realisieren. Seit 2017 ist die Schaufel über Kollosche Modellbau erhältlich.

    Kollosche Modellbau

    Obwohl ich selbst bereits eine von LAMATOR hatte – und mir dieser Schaufeltyp generell nicht so sehr liegt – konnte ich nicht widerstehen.
    Wenn sich jemand die Mühe macht, ein solches Werkzeug neu aufzulegen, sollte man das unterstützen. Und erst recht zu dem Preis.

    Die Schaufel ist sauber verarbeitet, schnurgerade, mit einem schönen, langen Stiel im typischen Y-Design. Auch der verwendete Stahl ist spürbar fester und hochwertiger als bei meinem früheren Original – das ich dann auch abgegeben habe.

    Hätte ich damals schon gewusst, dass ich zwei Jahre später eine fast gleichwertige Schaufel aus Österreich finden würde, hätte ich mir den Kauf vermutlich gespart.
    Aber: Ich habe nach wie vor Freude an dem Stück – nicht zuletzt, weil der 1:1-Vergleich in der Reihe mit den anderen Schaufeln wirklich beeindruckend ist, wie wir am Schluss sehen werden.

    IMG_20250619_132637_web.jpg


    IMG_20250619_132703_web.jpg


    IMG_20250619_132713_web.jpg

    Blattlänge 56 cm
    Schaufellänge 72 cm
    Gesamtlänge 126 cm
    Blattbreite 24 cm
    Blatttiefe 5,5 cm
    Griffbreite 12,5 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~26°

    Damit sind die zugelaufenen Schaufeln aus Deutschland fürs Erste vorgestellt – und das soll's auch für heute gewesen sein. :sleeping:

    5 Mal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (22. September 2025 um 20:50)

  • Robert D
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    • 2. Juli 2025 um 09:50
    • #10

    Danke für die ausführliche Aufstellung. Das schützt, einem vor Fehlkäufen.:thumbup:

    Bilder von mir sind Urheberrechtlich geschützt.

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 10:40
    • #11

    Die Leichte aus Absdorf – typische Bauart, anonymer Ursprung:

    Bei einem Flohmarkt, an dem ich in Absdorf zufällig vorbeikam, habe ich dieses schöne Stück für die obligatorischen 5 € ergattert – eine wirklich gelungene österreichische Heizerschaufel für Tenderloks. Ich hatte eine richtige Freude, wie ich sie gefunden habe, war sie doch damals erst die zweite im Bunde, und von der Form eine alte liebgewonnene Bekannte. :)

    Vom der Form her ist sie prädestiniert für den Einsatz auf einer 93er oder 77er, vielleicht sogar auf einer Zahnradlok? Zumindest der Stiel weist starke Ähnlichkeit mit jenen Schaufeln auf, die man auf alten Fotos der 999.102 erkennen kann.

    Der Hersteller ist leider unbekannt – es gibt keinerlei Stempelung, und bisher habe ich auch in Prospekten oder Katalogen keine passende Abbildung gefunden.
    Die sehr eckige Form des Schaufelblattes, das markant nach hinten ausläuft, fällt sofort ins Auge – ein Charakterstück.
    So eine einmal in neuwertigem Zustand zu finden, das wäre wirklich ein Highlight! Alle mir bekannten Exemplare dieser Bauart sind leider schon stark verbraucht.

    Auch bei dieser war das Schaufelblatt bis etwa zur Hälfte abgenutzt, der Stiel dick lackiert, das Schaufelblatt voller Beton. Den hübschen Buchenholzstiel habe ich entlackt und geölt, das Schaufelblatt mit einem entsprechend hochfesten Blech angeschuht, um es auf eine brauchbare Länge zu bringen – jetzt ist das Ganze wieder ein richtig brauchbares Arbeitsgerät.

    Besonders gefällt mir die fast zierliche Griffform – die liegt einfach super in der Hand.

    IMG_20250619_133318_web.jpg


    IMG_20250619_133332_web.jpg


    IMG_20250619_133342_web.jpg

    Blattlänge 43 cm
    Schaufellänge 60 cm
    Gesamtlänge 105 cm
    Blattbreite 23 cm
    Blatttiefe 6,5 cm
    Griffbreite 11,5 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~20,5°

    Einmal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (22. September 2025 um 20:39)

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 11:58
    • #12

    Das österreichische Pendant zu Idealspaten: Vogel & Noot

    Wenn man nach einem österreichischen Gegenstück zum deutschen Hersteller Idealspaten sucht, landet man wohl bei Vogel & Noot – einem Traditionsunternehmen welches eine ähnliche, ja sogar längere Geschichte und vergleichbarem Schwerpunkt im Werkzeugbau hatte.
    Hatte deswegen, da sie keine Schaufeln mehr produzieren.

    Die Vogel & Noot AG wurde bereits 1872 von Friedrich Vogel und Hugo von Noot in Wartberg im Mürztal (Steiermark) gegründet. Anfangs konzentrierte sich das Unternehmen ausschließlich auf die Herstellung von Spaten und Schaufeln.

    vogel und noot.png

    Ab 1922 wurde das Sortiment sukzessive erweitert – zunächst um Pflüge und weitere landwirtschaftliche Geräte, später auch um Produkte aus dem Bereich Heiztechnik.
    So begann 1929 die Produktion von Stahlheizkörpern, die im Laufe der Jahrzehnte einen immer wichtigeren Stellenwert einnahmen.
    1975 errichtete Vogel & Noot die erste moderne Fertigungsstraße für Heizkörper in Wartberg, die in den Folgejahren kontinuierlich ausgebaut wurde.

    1995 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und verfolgte eine Expansionsstrategie, unter anderem durch Übernahmen in Deutschland und Polen.
    2002 trat die VN Wärmetechnik AG der Rettig Heating Group bei und entwickelte sich zunehmend zu einem Anbieter von integrierten Systemlösungen in der Haustechnik.

    Ein Rückschlag kam im August 2016, als die Vogel & Noot Landmaschinen GmbH & Co. KG Insolvenz anmelden musste. Wesentliche Unternehmensteile wurden jedoch von deutschen und belgischen Investoren übernommen, wodurch der Standort in Wartberg bis heute erhalten blieb.

    So viel zur Geschichte.

    Meine Erste Vogel & Noot – aus Amstetten:

    Diese Schaufel konnte ich über Willhaben in der Nähe von Amstetten erwerben.
    Obwohl der Griff stark wurmstichig war, hatte ich beim Kauf große Freude – ich hatte lange nach genau so einer gesucht, da sie mir gerade bei größeren Rostflächen immer sehr zugesagt hat. Abgesehen vom Stiel war sie in einem sehr schönen, gebrauchten Zustand.

    Eigentlich wollte ich ihr einen neuen Stiel verpassen… aber es kam dann doch anders.

    Schwierige Datierung
    Die zeitliche Einordnung dieser Schaufel ist alles andere als einfach.
    Bekannt ist, dass bereits 1874 die typische Herzprägung mit "V & N" auf einem Militärspaten verwendet wurde. Spaten aus dem Zweiten Weltkrieg tragen hingegen meist eine andere Prägung – etwa „Vogel & Noot Wartberg“. Es ist aber durchaus möglich, dass mehrere Prägungen parallel verwendet wurden, je nach Typ oder Verwendungszweck.

    Das Problem: Es fehlen verlässlich datierbare Referenzobjekte.
    Viele der sogenannten „WWII Wehrmacht-Spaten“, die heute im Umlauf sind, lassen sich nur schwer (oder gar nicht) wirklich zweifelsfrei dieser Epoche zuordnen. Aber WWII sells...

    Auch die Bezeichnung "52H1" gibt wenig her. Sie hat mit der Baureihe 52 der Dampflok vermutlich nichts zu tun, sondern dürfte eine interne Werkskennzeichnung sein – was genau dahintersteckt, wäre Spekulation.
    Klarheit könnte hier wohl nur ein Produktkatalog aus der entsprechenden Zeit bringen.

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    Noch eine Vogel & Noot – und was für eine:

    Kaum war ich glücklicher Besitzer der lange gesuchten Schaufel, stolperte ich schon über die nächste.
    Diese hier konnte ich bei der Räumung eines alten Bauernhofes in Zell am Moos erwerben. Einer der ehemalige Eigentümer (Großvater des älteren Herren der den Hof für seine Enkel vor dem Umbau ausräumte) war scheinbar Lokführer in Salzburg.
    Eigentlich wollte ich nur mit der Beiwagenmaschine querfeldein ein bisschen herumfahren… aber wenn irgendwo geräumt und verkauft wird, kann man ja fast nicht einfach weiterfahren.

    Und es hat sich gelohnt: Eine richtig schöne österreichische Schaufel – in Form, Zustand und Charakter. Auch der Stiel, sehr schön gearbeitet!
    Ich finde, sie reflektiert fast die elegante Linienführung mancher österreichischer Dampfloks.
    Anders als bei den meisten Schaufeln ist das Blatt bei dieser Type nicht gerade, sondern leicht geschwungen – das macht sich gerade beim feinen, dünnen Überstreuen sehr positiv bemerkbar. Sie arbeitet einfach für einen – und nicht gegen einen – mit leicht esoterischer Betrachtung ;)

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    Noch dazu war sie in einem sehr schönen, nahezu ungebrauchten Zustand. Ein seltener Glücksgriff.

    In einem „Anfall von Nächstenliebe“ habe ich dann meine andere, bereits erwähnte Schaufel einem guten Freund geschenkt – mit großer Freude seinerseits, und realer Option zur tatsächlicher Verwendung...
    Manchmal denke ich mir: Hätte ich doch beide behalten sollen…
    Aber eigentlich – reicht doch auch eine. Oder?

    Blattlänge 44 cm
    Schaufellänge 62 cm
    Gesamtlänge 110 cm
    Blattbreite 22 cm
    Blatttiefe 5,5 cm
    Griffbreite 11 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~26° (wenn die Schaufel im hinteren Bereich aufliegt)

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 12:31
    • #13

    Klein, fein – und völlig unerwartet: Eine Schmalspurschaufel von Vogel & Noot:

    Diese kleine Schaufel von Vogel & Noot ist erst seit Kurzem in meinem Besitz – und war ein echter Überraschungsfund auf dem Nachtflohmarkt in Feldkirch.
    In diesem Eck Österreichs hätte ich wirklich nicht damit gerechnet ihr zu begegnen.
    Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark... ja. Aber in Vorarlberg? Nein. 8|

    Als ich sie sah, war ich erstmal überrascht – ich wusste nicht, dass es von Vogel & Noot auch solche kleinen Schaufelgrößen gab. Aber im Nachhinein macht das durchaus Sinn:
    Wahrscheinlich gab es, ähnlich wie bei Eckardt & Co. / Idealspaten, eine breitere Produktpalette mit unterschiedlichen Größen und Ausführungen.

    Die Freude war auf jeden Fall groß:
    Eine wunderschöne Schmalspurschaufel, und das auch noch in nahezu perfektem Zustand. Genau so ein Stück hat in der Sammlung noch gefehlt.

    Kurioserweise hatte ich am Vortag auf Kleinanzeigen bereits eine fast neuwertige kleine Heizerschaufel (vermutlich Nr. 157a1) von Idealspaten im Allgäu entdeckt – ich hatte sogar mein Kommen angekündigt. Doch dann wurde kurzfristig abgesagt…

    Vielleicht auch ganz gut so – denn irgendwann stellt sich ja schon die Frage:
    Wohin mit all den Schaufeln? ^^
    Und was, wenn da noch mehr auftauchen? Man sollte zumindest Platz haben, wenn das nächste Fundstück aus Österreich anklopft...

    Also hier nach der 52H1 eine 52L von Vogel & Noot... was immer das heißen mag:

    IMG_20250619_133547_web.jpg


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    IMG_20250619_133637_web.jpg


    Blattlänge 34 cm
    Schaufellänge 50 cm
    Gesamtlänge 98,5 cm
    Blattbreite 18,5 cm
    Blatttiefe 5 cm
    Griffbreite 11 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~32° (wenn die Schaufel im hinteren Bereich aufliegt)

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    • 2. Juli 2025 um 12:50
    • #14

    Erstaunlich welches spezielle Fachwissen hier zu Tage tritt 🫶👏

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    "Mich muss man sich nervlich auch leisten können“

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    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 13:11
    • #15

    Zu guter Letzt – die Grande Dame aus Ternitz:

    Dieses Prachtstück habe ich über den Tipp eines Bekannten in Ternitz gefunden.
    Ein junges Paar hatte beim Entrümpeln des Dachbodens diese Schaufel entdeckt – und ich hatte das Glück, zum richtigen Zeitpunkt dort aufzuschlagen.

    Es handelt sich um eine wunderschöne Schaufel in bemerkenswertem Zustand, die mir jedoch einige Rätsel aufgibt.
    Der Stiel ist aus Eschenholz, mit D-Griff und verdeckter Verbindung – keine sichtbaren Schrauben oder Dübel. Er scheint nahtlos in die Feder überzugehen. Interessant ist, dass der Stiel nicht aus einem Stück, sondern offenbar aus vier Teilen zusammengesetzt wurde. Da hat jemand an Material, aber definitiv nicht an Arbeitszeit gespart.

    Und offenbar auch nicht am Leim – sie ist nach all den Jahren noch stabil, also sicher kein Kaseinleim. Der Griff wirkt insgesamt etwas wuchtiger als bei anderen Modellen. Ich mag, wie sich der Schmutz in den Ringporen absetzt hat – das ergibt einen ganz eigenen, schönen Kontrast.

    Das Schaufelblatt hat eine ordentliche Größe, wirkt aber in der Verarbeitung nicht so "professionell" wie z.B. für Vogel & Noot typisch. Das Verstärkungsblech ist leicht asymmetrisch, und die Art, wie es angenietet wurde, ist mir so bisher noch nicht untergekommen. Das mit dem vorne angenieteten "Verschleißblech" habe ich so auch noch nie gesehen.
    Was die schief eingeschlagene Zahl „108“ bedeutet? Keine Ahnung.

    Insgesamt wirkt die Schaufel hier und da ein wenig schief, nicht perfekt symmetrisch – aber sie „läuft schön durch“, und liegt erstaunlich gut in der Hand.
    Sie ist vollständig blank gescheuert, und wurde offenbarzuletzt gründlich gereinigt und mit Öl abgerieben, bevor sie auf dem Dachboden gelandet ist.
    Da war jemand ganz offensichtlich stolz auf sein Werkzeug – und das war garantiert kein Handschuh-Heizer ;)

    Ich habe sie nur mit einem feuchten Fetzen entstaubt – sie hat Charakter und wirkt einfach, als hätte sie „gelebt“. Da würde ich wirklich gerne einmal wissen, wie sich diese Schaufel im Einsatz anfühlt, und was die schon erlebt hat.

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    Blattlänge 47 cm
    Schaufellänge 63 cm
    Gesamtlänge 120 cm
    Blattbreite 22,5 cm
    Blatttiefe 6,5 cm
    Griffbreite 12,5 cm
    Schaufelwinkel Blatt zu Griff: ~32°

    Einmal editiert, zuletzt von 0815/Bastler (5. April 2026 um 20:30)

  • 0815/Bastler
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    • 2. Juli 2025 um 13:28
    • #16

    Zum Abschluss – eine kleine Parade

    Als Abschluss hier noch eine kleine „Parade“ der bisher beschriebenen Schaufeln.
    Was mir dabei besonders auffällt: Erst durch die direkte Gegenüberstellung werden die feinen Unterschiede und individuellen Eigenheiten jeder einzelnen Schaufel wirklich sichtbar.
    Für sich allein betrachtet denkt man vielleicht: „Ja, eine schöne Heizerschaufel.“
    Doch in der Reihe nebeneinander offenbaren sich plötzlich Konstruktionsideen, stilistische Eigenheiten, handwerkliche Unterschiede – und nicht zuletzt auch Spuren des Gebrauchs, die von ganz unterschiedlichen Arbeitsrealitäten erzählen.

    Diese Sammlung ist also nicht nur eine Ansammlung von Werkzeugen – sie zeigt auch, wie Technikgeschichte im Kleinen lesbar wird:
    Wie sich regionale Fertigungstraditionen, Einsatzzwecke und Nutzererfahrungen in der Form eines Griffes, im Verlauf eines Schaufelblatts oder in der Wahl eines Materials niederschlagen.

    In dieser Aneinanderreihung wird – zumindest für mich – sichtbar, dass selbst ein scheinbar schlichtes Objekt wie eine Heizerschaufel mehr ist als bloß ein Werkzeug – nämlich ein stiller Zeuge vergangener Arbeitswelten.

    Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich auch weiterhin nach solchen Schaufeln Ausschau halte.
    Denn selbst wenn sie nicht mehr in den praktischen Einsatz kommen, erzählen sie durch Form, Material und Zustand auf ganz niederschwellige Weise Geschichten.
    Das ist – so unscheinbar das Objekt auch wirken mag – einfach spannend.

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    Ich hoffe, es hat gefallen – und war nicht zu viel auf einmal.
    Falls mir neue Funde begegnen, werde ich sie natürlich ergänzen.
    Und wie schon eingangs erwähnt: Jede und jeder ist herzlich eingeladen, eigene Fundstücke hier zu teilen.

    Ich bin überzeugt, daraus kann sich nach und nach eine schöne digitale Sammlung historischer Ausrüstungsgegenstände entwickeln – lebendig, vielfältig und mit dem Blick fürs Detail.

  • Sperrschuh
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    610
    • 2. Juli 2025 um 14:16
    • #17

    Wahnsinn, danke! Das wichtigste Arbeitsgerät, meist vollkommen unbeachtet!
    Heizt Du selber oder woher kommt die Erfahrung mit den Schaufeln? Sandhaufen probehalber von einer Gartenecke in die andere?

  • 1042625
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    1.687
    • 2. Juli 2025 um 14:34
    • #18

    Da staunt der Laie, eine Schaufelsammlung mit Hintergrundwissen!:love:

    LG Thomas

    Fotos, die nicht anders gekennzeichnet sind, wurden von mir erstellt.

  • jzipp
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    3
    • 2. Juli 2025 um 18:36
    • #19

    Irres Thema, und: ich brauche unbedingt auch so eine Sammlung und zwar mind. 2 je Typ in der Ausführung 1:87

    :)8)

    Danke für die interessanten Beiträge!

    Modelleisenbahn macht Spaß

    Meine Modelleisenbahn im Kleinbahnsammlerforum (Inhaltsverzeichnis)


  • Robert D
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    6.885
    • 2. Juli 2025 um 19:26
    • #20

    Danke,und wir werden jetzt alle nach einem Vogel &Noot Katalog suchen.

    Bilder von mir sind Urheberrechtlich geschützt.

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