1955 Wiederbewaffnung Österreichs

  • Eine Redewendung besagt, die "Amerikaner" hätten uns "nach dem Krieg" eine Menge Lkw, Panzerfahrzeuge, Geschütze, Handfeuerwaffen und anderes Kriegsmaterial für unser Bundesheer "dagelassen".


    Tatsächlich scheinen die amerikanischen Besatzungstruppen ihre Fahrzeuge zum größten Teil mitgenommen zu haben. Jedenfalls sind etliche Fotos bekannt, welche das Verladen von gepanzerten und ungepanzerten Fahrzeugen anlässlich des Abzugs (nicht nur) der amerikanischen Besatzungstruppen zeigen. Das Bundesheer dürfte demnach von anderen amerikanischen Armeeeinheiten beliefert worden sein als den zuvor in Österreich stationierten.


    In einem Buch fand ich nun kürzlich folgenden Hinweis:


    "Von Ende August bis Oktober 1955 trafen unzählige Waggonladungen mit Ausrüstung amerikanischer Provenienz aus Livorno (Italien) in Hörsching ein…"


    Dass diese Züge mit hoher Geheimhaltung behandelt wurden, ist als gesichert anzunehmen (Kalter Krieg auf seinem Höhepunkt - Beginn des Vietnamkrieges, Ungarnkrise im Jahr darauf). Man muss annehmen, dass strengstes Fotografierverbot herrschte und dass diese Züge überwiegend in den Nachtstunden fuhren.


    Fotografierverbote werden jedoch bekanntlich stets auch zu dem Zweck erlassen, damit es einzelne Leute umso spannender finden, dennoch zu fotografieren.


    Gestattet mir also folgende Frage: Sind euch zu diesen Zügen Details bekannt oder kennt ihr Personen, die mehr darüber wissen müssen oder sogar Fotos von diesen Zügen besitzen - egal wie unscharf sie auch seien?


    Vielen Dank im Voraus


    Euer Karl

  • Servus Karl,

    Interesannte Frage, leider habe ich keine Antworten dazu aber ein Hinweis auf meine Recherchen bzw. beim Abzug 1955 wollte ich hier einen Zug nachstellen.

    Bitte um Mithilfe bei Aufklärung der verwendeten Schwerlastwagen


    LG
    Manfred

  • Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.

  • Und das Original heisst :

    Der Kampf um den Staatsvertrag 1945-1955: Ost-West-Besetzung, Staatsvertrag und Neutralität Österreichs

    LG Bernd

  • Im Buch "Die Räderfahrzeuge des Österreichischen Bundesheeres 1918 - 1988" (Urrisk) steht:

    ... So übergab die US-Armee Österreich die Ausstattung von etwa zwei (US)-Divisionen. Ein Teil wurde dabei an die Republik Österreich verkauft, ein weiterer jedoch nur verliehen. Rund 4500 Fahrzeuge aller Art bildeten so den Grundstock für die Ausrüstung des Bundesheeres. ...

    Von den übrigen Alliierten wurde nur wenig ... beigesteuert.

    ...

    Alle Fotos ohne zusätzliche Quellenangabe sind selbstgemacht!

    Einmal editiert, zuletzt von Michael W ()

  • Soweit ich mich noch erinnere hatten wir in Hörsching im Jahr 1961 den 3-achs GMC LKW vorwiegend als Mannschaftstransporter zum Schießplatz, an einen Dodge Sanitätswagen erinnere ich mich, an unzählige Willys Jeep und einige brandneue PUCH Haflinger-

    An Bewaffnung gab es die amerikanische Riffle ( schoß noch aus jedem Dreckloch)

    und den leichten Karabiner bei Sani und Versorgungskompanie.


    Das österr. Sturmgewehr lernte ich erst bei Waffenübungen kennen und war unhandlich beim Exerzieren.

    LG

    freduard

  • Hörsching war ein Depot der US Army, lief darüber auch der Abzug 1955 ?

    Dort war ein Tranportion Army Acft Maintenance Depot, also Luftwaffe.

    Über das Camp Darby bei Livorno lief der Abzug von den US Truppen aus Österreich,

    da wurde dann direkt verschifft.

    Könnte ja sein, daß dann nach Sichtung, Inventur und Ankauf wieder Material nach Österreich zurückging.

    Offiziell war es ein Abzug mit Material und Truppen, warum das Material dann nach USA bringen?


    Lesestoff :

    USFA

    DIRECTORY AND STATION LISTS

    Installation Directory - US Forces Austria

    LG Bernd

    3 Mal editiert, zuletzt von duplicat ()

  • Das wäre ein Buchthema wert!

    aber generell die Besatzungszeit wird von den Verlägen sehr stiefmütterlich behandelt


    Rückkehrer, Bahnhofsimpressionen, Beuteloks, Erdöl-Diebstahl, Übergabe auf der Enns, ....

    © Alle meine Fotos sind mein geistiges Eigentum

  • Das wäre ein Buchthema wert!

    aber generell die Besatzungszeit wird von den Verlägen sehr stiefmütterlich behandelt


    Rückkehrer, Bahnhofsimpressionen, Beuteloks, Erdöl-Diebstahl, Übergabe auf der Enns, ....

    Wenn jemand ein fertiges Manuskript hat, legen wir es gerne auf! 😉

  • Das österr. Sturmgewehr lernte ich erst bei Waffenübungen kennen und war unhandlich beim Exerzieren.

    Jessas, das Stg58, ein Alptraum zum putzen! Und sonst war es immer irgendwie im Weg.

    Allerdings habe ich ein paar Jahre später das Schweizer StG kennengelernt, dagegen war unseres ein kleiner Damenrevolver. Ich habe damals meinen Schweizer Kollegen gefragt, ob sie eigentlich dafür einen eigenen Träger haben.

    So, Off topic Ende.

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, Eigenproduktion.

  • Vielen Dank für eure Hinweise, dass das Depot bei Livorno "Camp Darby" heißt. Das hilft beim Googeln ein Stück weiter.


    Was da obenauf auf den Waggons stand, ist tatsächlich recht gut in Büchern dokumentiert bzw. kann etliches noch heute im Heeresgeschichtlichen Museum besichtigt werden.


    Völlig offen hingegen ist, wie die Waggons aussahen.


    Es dürften recht wenige gepanzerte Fahrzeuge transportiert worden sein, wenn man von den paar M24, den M3 und von den Haubitzen auf Selbstfahrlafetten absieht. Die M8 Greyhound könnten - bei der B-Gendarmerie - eventuell schon vorher alle da gewesen sein. Überwiegend wird es sich um GMC, Dodge und Jeep gehandelt haben, die mit ihrem relativ geringen Gewicht sicherlich auf Rungenwagen und Niederbordwagen reisten. Wagen, die es im Modell sicherlich gibt.


    Aber WESSEN Wagen waren das?


    Wer hatte die Fracht durchzuführen? Haben die Österreicher das Material abgeholt? Konnten sie das überhaupt, wo sie doch ungefähr zeitgleich den "Russen" unzählige Wagen für deren Abtransport zur Verfügung stellen mussten und daher keine freien Kapazitäten mehr hatten? Oder wurden die amerikanischen Fahrzeuge eben nicht zeitgleich geliefert, sondern erst nach dem Abzug des größten Teils der Sowjets?


    Oder haben die "Amis" frei Haus geliefert? Schwer vorstellbar - oder war der amerikanische Bestand an Eisenbahnfahrzeugen 10 Jahre nach dem Krieg immer noch groß genug, um schnell mal ein paar tausend Räderfahrzeuge zu liefern? Oder war er, im Gegenteil, wegen der allgemeinen Aufrüstung schon wieder groß genug?


    Oder mietete man Wagen der FS dafür?

    ? ? ?

    Liebe Grüße


    Karl

  • Ich denke, diese Transporte hat das United States Army Transportation Corp durchführen lassen.

    Die hatten dafür Wagen in Europa bzw. griffen Wagen anderer Bahngesellschaften .


    Zum US-Abzug

    Hilft zunächst nicht weiter.


    Im Bus zogen GIs von Österreich ab.

    First Bus Arrives at Caserma Ederle


    Am Frachtenbahnhofsgelände Gersthof (Wien) verladen US-Soldaten Militärpatrouillenautos auf offene Güterwaggons. August 1955.

    csm_akchr_1954-55_1955_frachtenbahnhofgersthof_oenb_us25857b_f91152ac09.jpg (1170×928) (mediathek.at)


    Und da gab es schon mal was dazu im Forum:

    Gersthof aus dem Bildarchiv der Nationalbibliothek:


    Bilder zum Abzug in der Nationalbibliothek


    Sieht man die Bilder so an, da wird nur das nicht verwertbare fürs Bundesheer abtransportiert.

    Die Frage ist, was wurde wirklich mitgenommen.

    Aufsitzen

    Nach diesem Bericht blieb viel gleich da.

    LG Bernd

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  • Hallo Bernd,


    die Bilder vom Abzug der Amerikaner aus der Nationalbibliothek haben leider mit der Wiederbewaffnung des Bundesheeres nichts zu tun.


    Sie zeigen durchwegs die Verladung einiger Chevrolet-Special-Six-Limousinen der "Vier im Jeep". Obwohl die alliierten Patrouillen in Wien "Die vier im Jeep" hießen, fuhren sie schon lange keine Jeeps mehr. Schon Ende 1946 wurden die Jeeps gegen Dodge Commander getauscht und schließlich 1952 durch diese weißen Chevys ersetzt.


    Die Verladeszenen zeigen offenbar immer die gleichen zwei Güterwagen - einen ehemaligen Schienenwagen Augsburg der DRG (gibts als Fleischmann-Modell) und einen ehemaligen R10 (Roco-Modell). Die Fotos wirken recht gestellt - wie für einen eigens veranstalteten Pressetermin.


    Damit bin ich wieder zurück beim Thema: Mit welchen - sehr wahrscheinlich, wie Bernd sagt, vom USATC organisierten - Waggons kamen die rund 4500 für das Bundesheer bestimmten Fahrzeuge Ende 1955 aus Livorno nach Österreich?


    Ich hoffe immer noch auf rüstige Zeitzeugen unter uns... :-)


    Liebe Grüße


    Karl