Fragen zur Epoche III in Österreich von jemandem mit Migrationshintergrund

  • Das Personal (zumindest das kübelschwingende) heißt übrigens offiziell „Müllaufleger“, früher sagte man aber allgemein „Mistaufleger“, was heute wahrscheinlich nur mehr für einschlägiges landwirtschaftliches Gerät gebraucht wird.


    LG


    Martin.

    In meinem sozialen Umfeld (Wien, Donaustadt) nennt man das kübelausleerende Personal der MA48 "Mistkübler"

    ÖPBB

    Österreichische Peter & Basti Bahn


    - Digitale H0 Epoche 6 Anlagenbaustelle nach Wiener Vorbildern

    - Steuerungssoftware: Rocrail

    - Anlagenelektronik: OpenDCC, RocNet, RFID, MQTT, DIY, ...

    - Fahr-Decoder: ZIMO ist mein Favorit

    - Fuhrpark: die üblichen Hersteller Österreichischer Modelle

  • Ich habe mich schon manchmal gefragt, ab wann es eigentlich mehr oder weniger bedenklichen Mist, Müll oder Abfall gegeben hat, den man nicht einfach "wegschmeißen" (statt des neumodischen "entsorgen") sollte, weil er in der Natur nicht vorkommt oder problematisch ist. Wahrscheinlich irgendwann nach Beginn des Industriezeitalters.

    Da ja cauchy expliziet die 60er und Anfang-70er Jahre seinem Wissen zu Gute kommen will die Erinnerung an die damalige Zeit:

    Plastikverpackungen und Plastiksackerln waren fast nicht gebraeuchlich.

    Milch, Joghurt, Bier und Limo waren in Pfandglasflaschen die wieder zurueckgegeben wurden. Viele Personen brachten auch die Weinflaschen wieder zu den Weinbauern zurueck. Andere alkoholische Flaschen waren nicht so sehr im Umlauf da sich der groesste Teil der Bevoelkerung die Getraenke nicht leisten konnten bzw. man sie in einem Lokal konsumierte.

    Zeitungen wurden meist als Hygienepapier am WC und zum Heizen verwendet .

    Papiertaschentuecher, Servietten und Windel waren aus Stoff und wurden gewaschen.

    Lebensmittelreste vor allem im laendlichen Bereich an die Haustiere verfuettert.

    Kartonagen wurden neben die Coloniakuebel gelegt.

    Metallwaren verkaufte man eher an den Schrotthaendler. Ich kann mich erinnern dass in meiner damaligen Arbeitsstaette es einen Mann gab der Eisenteile welche gelegentlich auf den Gleisen lagen gesammelt hatte. Ich selbst habe an Freitagen am Wiener Suedbahnhof (wenn die Baederzuege zur Adria abfuehren) Bier und Limonadenflaschen gesammelt und sie in die Geschaefte zurueckgegeben. Waren immer ein paar Schillinge zusaetzlich.

    Speisen bekam man bei den Fleischhauern und Obst/Gemueseverkauefern eher in ein Zeitungspapier eingewickelt als jetzt in einem Plastiksackerl.

    Also gesamt gesehen gab es damals nicht so viel Hausmuell wie heut zu Tage. Und jener der in die Coloniakuebel wanderte wurde vom Personal vor der Verbrennung sortiert.

    So gegen Mitte der 70er-Jahre muss es gewesen sein dass sich das Mistaufkommen drastisch verstaerkt hatte und auch die grossen fahrbaren Metallmistkuebel eingefuehrt wurden.

  • Servus,

    in dem Gemeindebau(_Bj 60) wo ich wohne steh Coloniaraum über dem Mistraum. Und Mistkübler für die 48er ist normal. Früher teilweise auch Coloniamänner.

    Wegen der Fahrbahnverschränkung, sowas gibt es in Grinzing beim 38er . Da war nur eine weiße Linie als Fahrstreifenmarkierung.

    Achtung bei Epoche III müssen die Mittelleitlinien gelb sein !!!!

    LG Puch500

  • Milch, Joghurt, Bier und Limo waren in Pfandglasflaschen die wieder zurueckgegeben wurden. Viele Personen brachten auch die Weinflaschen wieder zu den Weinbauern zurueck

    In meiner Volksschulzeit holte ich die Milch mit der Milchkanne von der Milchfrau. Nebenbei wurde dann mnchmal am Heimweg mit der Zentrifugalkraft experimentiert - das ging so lange gut bis sich einmal der Henkel an der Kanne aushängte und die Kanne einen Abflug in hohem Bogen machte, mit lautem Schewppern ein paar Meter weiter landete udn ich ohne Milch nach Hause kam. Einmal kurz von der Oma "ein paar abgeräumt" (Ausreden halfen nichts - sie kannte mich zu gut) und den ganzen Weg noch einmal.
    Die Doppler wurden noch bis zu ihrem mehr oder weniger Gebrauchsende nach dem Glykolskandal immer wieder verwendet. Im Sommer war ich ein paar Mal für 2 - 3 Wochen bei der Verwandschaft im Weinviertel. Einmal in der Woche war Wein liefern nach Wien angesagt und am nächsten Tag war immer Flaschenwaschen.

    In meinem sozialen Umfeld (Wien, Donaustadt) nennt man das kübelausleerende Personal der MA48 "Mistkübler"

    Die Bezeichnung Mistkübler ist/ war nicht nur auf den 22. beschränkt, auch bei uns im 19. kannte man seinerzeit nichts anderes.

    Viele Grüße aus dem Marchfeld
    Michael


    PS: Bilder ohne Quellenangabe sind meine

  • Dem oben geschreibenen kann ich nur zustimmen. Allerdings gab es damals zumindest in der Stadt viel mehr Geschäft. Aus der Erinnerung heraus kommt für die Gegend, in der ich in Linz aufgewachsen bin, folgendes heraus:

    1 Milchhandlung

    3 Greißler

    1 Konditorei

    3 Fleischhauer

    1 Gemüsehandlung

    1 Volksküche

    1 Parfümerie

    1 Ringbrotgeschäft

    1 Büroartikelgeschäft

    1 Schuster

    1 Möbelhandlung

    2 Tabaktrafiken

    1 Tabak-Hauptverlag

    1 technische Gummiwaren

    1 Posamentierer

    1 Branntweiner

    1 Spengler

    1 Zahntechniker (mit tollen Gebissen in der Auslage)

    3 Gasthäuser

    1 Freudenhaus

    und das Kleinbahngeschäft war auch nicht weit. Wahrscheinlich gab es sogar noch mehr Geschäfte.

    In den Geschäften war viel Personal, und von Selbstbedienung hat nur die eine Bekannte erzählt, die nach Amerika ausgewandert war. Viel von dem Müll resultiert aus der Verpackungsorgie, die für die Selbstbedienung nötig ist.


    Und heute? Wenn ich es recht im Kopf habe, war schon lange nicht mehr dort, gibt es noch die eine Tabaktrafik.

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, Eigenproduktion.

    2 Mal editiert, zuletzt von P. Fuscher ()

  • Wo in Linz war das?

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.

  • Wegen der Fahrbahnverschränkung, sowas gibt es in Grinzing beim 38er . Da war nur eine weiße Linie als Fahrstreifenmarkierung.

    Die weiße Linie gab es aber nur auf der Grinzinger Seite des eigenen Gleiskörpers, bei der Sieveringer Straße war nichts - dort wäre ein Autofahrer sofort aufgefallen.
    Allerdings haben die weiße Linie - vor allem nachts - nicht alle Autofahrer bemerkt und fuhren auf dem Gleiskörper bis zur Daringergasse oder noch weiter. Oft endete dann die Aktion mit Röhrlblasen und Weiterfahrt mit dem Taxi oder 38er (die Polizei kontrollierte erst ab der Kaasgrabengasse, Kontrollen in Grinzing waren - da geschäftsschädigend - nicht vorgesehen 8o).

    Viele Grüße aus dem Marchfeld
    Michael


    PS: Bilder ohne Quellenangabe sind meine

  • @ P. Fuscher..... und die zumindest fuenf Gasthaeuser hast du vergessen zu erwaehnen.

    In der Gegend wo meine Grossmutter wohnte waren es im Umkreis von drei Haeuserblocks mindestens sechs oder sogar sieben.

  • Das war in der Museumstraße nähe Landesgericht Richtung Graben - Pfarrplatz, also kanpp östlich der historischen Stadtgrenze. Unterhalb war eine Gegend, wo die Polizei nur Doppelstreife gegangen ist.

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, Eigenproduktion.

  • Bevor es in Wien die Mistplätze gab, wurde der Sondermüll auf die "Deponie" gebracht, am Land aber eher im Wald, im Graben oder auf der Gstettn entsorgt (selbst erlebt). Später ab den 80ern hatte man Mühe, diese wilden Deponien im Sinne der Umwelt wieder sauber zu bekommen.


    Den Ausdruck Mistkübler kenne ich aus dem 23. auch und ja, die standen immer hinten drauf. Die Mistkübeln in unserem Haus (schätze 10-12 Parteien) waren die kleinen alten runden, mit dem "Wimmerl" am Deckel, vielleicht 4 Stück davon, also unglaublich wenig für heutige Verhältnisse. Das "Wimmerl" haben die Mistkübler mit einer Hand genommen, den Kübel leicht gekippt und mit der anderen Hand den Kübel auf der unteren Kante auf die Gasse gedreht. Auf der Gasse hat's dann ordentlich gescheppert, wenn die 2 Kübeln nebeneinander am Wagen entleert wurden.


    Weitere Mülltrennung gab's in den 70ern noch nicht, Altpapier konnte verwertet weden, aber wurde nur von wenigen gesammelt.


    Und weil die Weinbauern angesprochen wurde, ich kann mich an den Weinmann mit seinem alten VW LT erinnern, der durch die Straßen gefahren ist und alle Augenblicke "Da Weimau is doooo!" gerufen hat. Man ist dann hinunter gegangen und hat eingekauft. Er hate Wein und Eier. Ebenso gab es bei uns den Besenmann, das ging mit seinen Reißbesen zu Fuß durch die Straßen.

  • Servus,

    in dem Gemeindebau(_Bj 60) wo ich wohne steh Coloniaraum über dem Mistraum. Und Mistkübler für die 48er ist normal. Früher teilweise auch Coloniamänner.

    Wegen der Fahrbahnverschränkung, sowas gibt es in Grinzing beim 38er . Da war nur eine weiße Linie als Fahrstreifenmarkierung.

    Achtung bei Epoche III müssen die Mittelleitlinien gelb sein !!!!

    LG Puch500

    Ja, das war noch angenehm und vor allem verkehrssicher als die Bodenmarkierungen noch nicht in Schneetarnfarbe ausgeführt waren.

    Bilder in meinen Beiträgen sind mein Copyright, sofern nicht anders vermerkt.

  • Oida, wer kennt heut no an Posamentierer?

    Bilder in meinen Beiträgen sind mein Copyright, sofern nicht anders vermerkt.

  • Oida, wer kennt heut no an Posamentierer?

    Fossile wie wir ich :TT:

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.

  • und die zumindest fuenf Gasthaeuser hast du vergessen zu erwaehnen.

    Jetzt habe ich heftig nachgedacht, aber mir fallen nur drei ein. Die habe ich vergessen. Dafür gab es zwei Gassen weiter ein Freudenhaus. In der Liste ergänzt.

    Die von mir geposteten Bilder sind, wenn nicht anders vermerkt, Eigenproduktion.