Maßstabsgetreue Züge auf der Heimanlage

  • Liebe Modellbahnkollegen


    Habe mir Gedanken über die Zugkraft von Lokomotiven und die daraus resultierende Zugzusammenstellung gemacht.

    Das die Modellloks gut und gerne 70+ Wagen ziehen können wissen alle. Ich konnte es nur mit 70 Wagen versuchen, da sich die Schlange auf meinem Fahrkreis dann selbst in den Schwanz biss.:D


    Da es aber durchaus "lustig" aussieht, wenn eine 80.028 30 Wagen zieht suche ich nach einer Referenzseite etc.


    Die Anfahrzugkraft der 1:1 Loks kann man ja in Wikipedia etc. heraussuchen. Aber wie schwer ist z.B. ein voller Großraumcontainerwagen oder ein Kesselwagen, 4 achsig voll mit Diesel, Heizöl etc.

    Kennt ihr zufällig eine Website bzw. gibt es hier im Forum schon Beiträge in denen klipp und klar festgelegt ist:


    Zugkraft: von mir aus auf der Geraden, oder im Gebirge

    Maximal zulässiges Gewicht welches anzuhängen ist, sodass der Zug noch bremsbar ist usw.

    Bahnübliche Zuglängen, Güter, Personenzug.


    Falls es schon einen Beitrag diesbezüglich gibt verzeit mir bitte und postet mir bitte den Link. Dann kann ich den Beitrag löschen lassen.


    Hier darf gerne diskutiert, gefachsimpelt und gescherzt werden. Ich kenne ja euren Weltrekord und freue mich über jeden Beitrag ob lustig oder hilfreich.
    Liebe Grüße


    David

  • Zu diesem Thema werden dir die hier anwesenden aktiven und gewesenen ÖBB-Bediensteten gerne Auskunft geben.


    Das wenige was ich weis haengt die Zuglaenge von folgenden Punkten ab:

    von der maximalen Zughakenbelastung.

    von der Strecke die benuetzt wird ( ebene oder mit Steigung und Gefaelle ).

    von der maximalen benuetzbaren Laenge des Gleises in einem Kreuzungs- bzw. Ueberholbahnhofs.

    vom Gesamtgewicht der zu befoerderden Wagen.

    von der Leistung der Lokomotive (volltauglich oder auch gegebenenfalls mindertauglich).


    und dies werden sicher nicht alle Punkte sein.


    Also generell kann man nicht sagen wieviele Meter nun ein Zug lang ist, bzw. wieviele Waggons er besitzen darf.

  • Ja, Gerhard, danke. Sowas für alle Arten von Wagons. In dem von dir gebrachten fall 95000 Liter. Das mal dem Gewicht für z.B. 1L Diesel. Plus dem Eigengewicht des Wagens.

    Mit der Leistung der Lok kann ich dann schauen wie viele volle Wagen sie ziehen könnte.


    Dann kann ich sagen: "Ok, die 1020 kann, oder besser konnte z.B. 15 Kesselwagen a ....Tonnen auf der geraden sicher transportieren und im Gebirge, je nach Steigung etc eben nur 10.



    Ich freue mich über jegliche Information.

  • Im Prinzip richtig.

    NUR: bei der Bahn wird/wurde ein Zug mit X Tonnen für die Strecke Y zusammengestellt-- abhängig von den Transportaufträgen. Einmal ist der Zug leichter/kürzer am nächsten Tag dann schwerer/länger.

    Gewicht,

    Länge (Anzahl der Wagen auch Typenabhängig-- 2 zweiachskessel sind schwerer als 1 vierachs Kessel)

    Strecke ( Alpin, Flachland)

    Traktionsart (Dampf/Diesel/Elektro


    Danach wird die Zuglok(s) gefunden. Einfach/Doppeltraktion/Nachschub/Vorspann


    Wenn sich das alles ausgeht--gute Fahrt, wenn nicht, Zug teilen und von vorne rechnen.


    Dann noch die Faktoren, wie Leistung der Loks, Zughakenlast, Achslasten, Gleisradien, spezielle Einschränkungen zB. keine Tunell, Bestimmte Brücken ...


    Nicht umsonst sind auf bestimmten Strecken einige Einschränkungen gegeben.

    Gesetze und Bestimmungen der jeweiligen Bahndirektionen noch als Sahnehäubchen. Das ist das alltägliche Geschäft der Disponenten bei der Bahn.

    Vielleicht ist sogar einer hier im Forum und kann noch mehr dazu beisteuern.

    Gruß aus dem Wilden Westen


    Gerhard


    „Es ist leichter die Menschen zu täuschen, als sie davon zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind.“


    Mark Twain

  • Danke Gerhard und Reroi


    Werde diese Woche das Internet mal nach solchen Belastungstafeln durchstöbern und wenn ich was gefunden habe stelle ich es ein.


    Toll wäre natürlich ein Handbuch oder gleich ein Programm dafür. Vielleicht finde ich etwas und hoffe wie immer auf weitere Meldungen. +:

  • Habe gestöbert:


    https://infrastruktur.oebb.at/…nnetz/dokumente-und-daten


    http://www.schienenbahnen.at/dienstvorschriften/v3.pdf


    https://www.vagonweb.cz/razeni…6&nazev=&rok=2017&lang=de


    https://infrastruktur.oebb.at/…enge/prozess-verschub.pdf


    https://de.wikipedia.org/wiki/Zugbildung


    http://www.zeno.org/Roell-1912/A/Zugbildung


    https://www.ris.bka.gv.at/Gelt…n&Gesetzesnummer=20006077


    http://www.hafenbahnhof.de/vorbild/zugbildung.htm


    https://www.zvab.com/buch-such…%FCge-epoche-miba-report/




    Sind auch einn paar Deutsche dabei.



    Das habe ich daweil gefunden, werde aber noch weiter stöbern. Ich selbst habe zwei Bekannte die Lokführer sind. Vielleicht geben die was her.



    An alle Berufseisenbahner und ehemaligen: Falls ihr den Zugbildungsplan A habt und den eventuell veröffentlichen könnt, dürft bin ich sehr dankbar.


    ZugbildungsplanA:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Zugbildung


    Gruß


    David

    Einmal editiert, zuletzt von der Dampfer ()

  • In meinem bescheidenen Bestand befinden sich, glaube ich Loks der Epochen 2-5. Alle Epochen wären toll.


    Hab grade bei Amazon geschaut. Dort gibt es, soweit ich sehe nur das 1er und 3er?


    Gibt es eigentlich bei uns ein Mobageschäft in der man gute Eisenbahnliteratur erhält?

    Einmal editiert, zuletzt von der Dampfer ()

  • Der Memoba hat einiges im Angebot. Oder wenn du zum Modellbahndiskont in der Novaragasse kommst - vis a vis der Mauritz hat ziemlich alles was Eisenbahnliteratur betrifft. Und wenn nicht, kann er es besorgen!

    In meinem bescheidenen Bestand befinden sich, glaube ich Loks der Epochen 2-5. Alle Epochen wären toll.


    Hab grade bei Amazon geschaut. Dort gibt es, soweit ich sehe nur das 1er und 3er?


    Gibt es eigentlich bei uns ein Mobageschäft in der man gute Eisenbahnliteratur erhält?

    Nicht eigens gekennzeichnete Fotos sind von mir, bzw. aus meinem Archiv und ich habe die Erlaubnis sie zu veröffentlichen.

  • Das Thema droht schon wieder in Richtung OT abzudriften (Eisenbahnbücher statt Zugbildung), aber da kann ich gleich noch eines draufsetzen:

    ;)


    Ist zwar wahrscheinlich nicht ums Eck, aber in der Buchhandlung Stiletto in München gibt's fast alles an (auch österr.) Eisenbahnliteratur lagernd, was am Markt erhältlich ist, zudem auch einiges Antiquarisches.



    Nun aber zu deiner Ausgangsfrage, der ich mich gerne mit einer praktischen Betrachtung anhand meiner eigenen Modellbahnanlage nähern möchte.


    1. Auf welcher Strecke fahren deine Züge? Wie ist diese beschaffen? ... und damit sind wir schon ganz nah am Vorbild dran.


    Meine Hauptstrecke (die Nebenbahn lasse ich jetzt einmal links liegen) ist eine Gebirgsbahn knapp nach der Jahrhundertwende im Zuge des Alpenbahnprogramms der kkStB errichtet: eingleisig, steile Rampenabschnitte mit bis zu 30%o, vergleichsweise enge Radien. (Referenz Tauern-, Karawanken- und Wocheinerbahn).



    2. Welche Verkehre werden abgewickelt?


    Die Strecke wurde vorrangig für den Kohlentransport aus den weststeirischen Kohlerevieren in die obersteirischen Industriegebiete errichtet. Beladene und leere Kohlenzüge über den Berg prägen den Verkehr. Dazu durchgehender Güter- und Personenverkehr im überschaubaren Rahmen, es ist sogar ein Eilzugpaar dabei, sodann lokaler Personen und Güterverkehr beiderseits des Berges.



    3. Welche Traktion? Welche Fahrzeuge? ... die spannende Frage für uns Modellbahner


    Meine Modellbahnanlage spielt in den 50er Jahren und der Dampfbetrieb dominiert den Betrieb. Die Regelbespannung für die Kohlenzüge sind 52er und als Vorspann oder Nachschiebe stehen 86er zur Verfügung. Bei Bedarf (wenn sie denn einmal fertig gebaut/gesupert sind) können auch andere Dampfer zum Einsatz kommen.



    4. Was dazahn diese Loks auf der Strecke? ... hier kommt die schon erwähnte Belastungstafel oder Leistungstafel ins Spiel, mit der Modellbahner üblicherweise wenig am Hut haben.


    Es gilt, die o.g. Streckendaten mit den Leistungsdaten für die Maschine abzugleichen.


    Für die Reihe 50 und 52 ist da zum Beispiel für 30%o folgende Regelbelastung in Tonnen vermerkt:

    - bis 20 km/h: 255 to ...das ist nicht viel

    - bis 30 km/h: 155 to ... noch weniger

    - bis 40 km/h: 90 to

    - bis 50 km/h: --- ... und aus isses


    Nur als Vergleich dazu beispielhaft die Regelbelastung bei 4%o:

    - bis 20 km/h: 1795 to ... das 7-fache von oben!

    - bis 50 km/h: 670 to

    - bis 80 km/h: 170 to ... auch nicht mehr so viel


    Neben der Steigung spielt also auch die zulässige bzw. erwünschte Höchstgeschwindigkeit eine Rolle. Güterzüge, die mit 20 oder 40 km/h über die Strecke kriechen, beeinflussen erheblich den Fahrplan. Auf hochfrequentierten Ausbausstrecken sollten heute selbst Güter- und Überstellzüge aus Streckenbelegungsaspekten möglichst 120 km/ fahren können. Das verdeutlicht übrigens auch den erreichten technischen Fortschritt heutiger Lokomotiv-Technik. Es ist also auch die gewählte Epoche nicht ganz unbedeutend.



    5. Was hängt hinten eigentlich genau dran?


    Kohlenwaggons, und zwar möglichst viele. Und in die eine Richtung auch möglichst voll. Meine Hauptstrecke hat eine Oberbaubelastung von 18 to pro Radsatz. Ein typischer 2-achsiger Kohlenwaggon in den 50er Jahren, z.B. Bauart Om o.ä., wiegt etwas über 10 to (ich setzte 10,5 to an) und hatte je nach Baujahr eine Ladegrenze von 14 bis 20 to. Ich setze 20 to Beladung an, weil die meisten Wagen sind doch irgendwann im 2. WK gebaut worden und nicht so uralt. Die 52er hat einen Kabinentender, braucht als keinen Extra-Packlwagen (das vereinfacht auch unsere Rechnung).



    6. Und was heißt das jetzt? ... dabei helfen Mathematik und Excel weiter.


    Ein Kohlenwaggon wiegt leer 10,5 to und voll 30,5 to. Mit der vorhandenen Streckenlast gibt es also schon einmal keine Probleme.

    Eine 52er mit mind. 20 km/h im steilsten Streckenabschnitt (30%o) zieht 255 to, d.h. 24 leere Kohlenwaggons oder 8 (!) voll beladene Kohlenwaggons. Bei einer durchschnittlichen Wagenlänge von 12cm in H0 ergibt das dann inkl. Lok entweder einen 3,2m Zug (leer) oder ein 1,3m Zug (voll).


    That's it!

    An den Parametern kann man noch drehen.



    7. Was ist mit der Zuglänge? ... jetzt wird es noch einmal interessant


    Die Länge der Hauptgleise in den Ausweichbahnhöfen definiert den längsten auf der Strecke verkehrenden Zug. Mein Beispiel mit den leeren und voll beladenen Zügen ist natürlich extrem, verdeutlicht aber die Bandbreite.


    3,2m lange Züge kann ich auf meiner Anlage aus Platzgründen nicht sinnvoll verkehren lassen; ich beschränke mich auf 2,5m (das ist für eine Kelleranlage auch ganz schön respektabel - finde ich), das entspricht 18 Kohlenwaggons plus eine 52er.


    Der leere Kohlenzug ist also somit definiert: Lok plus 18 Waggons. Damit kann der Zug auch etwas schneller als 20 km/h über den Berg fahren. Viel ist es aber nicht. 18 leere Wagen sind auch noch 189 to, also mehr als 25 km/h wird das gemäß Belastungstafel auch nicht.


    Auch der volle Kohlenzug ist mit 8 Waggons noch etwas mickrig, also eine 86er als Vorspann drauf und damit erhöht sich die zulässige Regelbelastung für 30%o und 20km/h von 255 to für die 52er um 210 to für die 86er (eine ziemlich starke Lok!) auf insgesamt 465 to. Das sind immerhin 15 voll beladene Kohlenwaggons. Der Zug kriecht mit mindestens 20km/h den Berg hoch. Die Zuglänge liegt nun bei rund 2,3m ... passt

    :)


    Fragen und Hinweise gerne

    Jürgen

    :bier:

  • Du hast das Thema sogar für mich verständlich aufbereitet. Danke Jürgen.

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.


    Heute schon gespritzt? Hol dir deine Impfung.

  • Lieber Jürgen


    Genau sowas meine ich. Sehr schön gemacht.


    1. Meine "Strecke" ist derzeit noch eine Fantasiestrecke. (bitte nicht schockiert sein liebe Kollegen)

    Ich arbeite mich an ein Industriegebiet heran, welches die Epochen 2-5 überlebt hat. Berge gibts keine bei mir und auch keine Tunnel. Da die Anlage echt klein ist: ungefähr 3x1,50. Genaueres stelle ich am Wochenende auf meinem Tread über Anlage und Schätze ein. Ich habe leider auch (noch) keinen Platz für einen Schattenbahnhof also sind zwangsläufig 2 Fahrringe um die Anlage gelegt was eben den Verkehr auf der Strecke darstellen soll. Allerdings wird die Anlage vielleicht in gewisser Zeit erweitert.



    2. Zum Verkehr: Habe ich alles für ein Stahlwerk, eventuell Auto und Maschienenherstellung im Sinn.


    Da ich auch U-Bootfan bin wollte ich ursprünglich die HDW beliefern. Die gabs schon im Weltkrieg und auch heute stellt Deutschland U-Boote her. Da ich mich aber so sehr in unsere heimischen Züge verliebt habe kann ich höchstens U-Boote für die Donau herstellen. Spaß beiseite.:he:

    Also muss ich Kohle, Stahl, Arbeiter und verschiedene Einzelteile zuliefern lassen. Das heißt für mich schwerer Güterverkehr sowie Personenverkehr für die Schichtarbeit. Natürlich soll es ein riesiges Industriegebiet darstellen und ich habe auf der Anlage nur einen sehr kleinen Teil davon dargestellt.


    3. Natürlich möchte ich alle meine Züge fahren lassen. Einen Tag alles Dampf, den nächsten eben schon mit den 1020ern und an einem anderen Tag ganz modern.

    Es ist eine Spielbahn, mit vielen Weichen und viel Rangierfläche, trotzdem soll es echt aussehen.


    Bei der Zuglänge im Innenkreis muss ich mich an das Ausweichgleis halten, aber am Außenring haben 70 Loks plus Lokomotive Platz.

    Wenn die Bilder da sind kann ich es besser erläutern.


    Und wenn ich ein mal mehr Platz zur Verfügung habe wird es der Zentrale Umschlagplatz für die Güter des Gebietes und an den Rändern sieht man eben die verschiedenen Firmen etc. Dann gehn sich vielleicht auch Berge und Tunnel aus.:)



    Liebe Grüße


    David

  • Wie einige vielleicht wissen, steuere ich meine Anlage mit Software.


    Einer der vielen Möglichkeiten, die Rocrail bietet ist die (hypothetische) Berechnung des Gewichtes/Masse eines Zuges, welches in Folge die Beschleunigung der Lok modifiziert (durch Anpassung der CV#3)


    Ich kann pro Waggon das Leergewicht, das maximale Gewicht/Masse sowie einen Wert dazwischen (für Teilbeladung) definieren.


    Die Summe der so definierten Gewichte/Masse der Waggons in einer Zugzusammenstellung ergibt dann das Zuggewicht/die Zugmasse (die Zuglänge wird natürlich auch auf diesem Weg bestimmt)


    Eine gute Orientierung für halbwegs realistische Werte für diese Einstellungen gibt mir diese Webseite:


    http://www.dybas.de/dybas/gw/gw_t_9/g928.html


    Dies zu kombinieren mit der maximal möglichen Zuglast einer Lok ist ein interessanter Ansatz.


    Eventuell müsste eine Liliput 2060 einen Zug mit 2000 Tonnen verweigern, auch wenn sie diesen mit den Haftreifen in H0 technisch noch ziehen könnte.. ;)


    lg Peter

    ÖPBB

    Österreichische Peter & Basti Bahn


    - Digitale H0 Epoche 6 Anlagenbaustelle nach Wiener Vorbildern

    - Steuerungssoftware: Rocrail

    - Anlagenelektronik: OpenDCC, RocNet, RFID, MQTT, DIY, ...

    - Fahr-Decoder: ZIMO ist mein Favorit

    - Fuhrpark: die üblichen Hersteller Österreichischer Modelle