4010-freak's Züge (und Modellverbesserungen)

  • Gemeinsam mit dem unlängst vorgestellten Farbversuchswagen habe ich auch zwei weitere Inlandsreisezugwagen der neuen Generation ("lange Schlierenwagen") überarbeitet und beleuchtet. Auch diese zwei Wagen wurden innen farblich aufgebessert und mit Armlehnen und Mistkübeln ausgestattet.


    Bei älteren Roco-Wagen wurden auf den Stirnseiten ein paar Druckvorgänge weggelassen. Die Fenster- und Türgummis sowie die Griffe der Übergangstür habe ich bei allen von mir aufgearbeiteten Wagen schwarz bzw. silber nachgezogen. Im Zugverband sieht mans zwar nicht, aber beim ersten und letzten Wagen (sowie wenn man einen Wagen einzeln betrachtet) verbessert das den Gesamteindruck doch ein wenig.


    Der Fahrgastraum wurde mit ein paar Reisenden und Gepäckstücken bestückt.


    Von oben kann man die Tische gut erkennen.


    Das Gepäckabteil im Halbgepäckwagen der Bauart 82-75 wurde mit Ladegut versehen.


    Neben dem Gepäckabteil befindet sich ein Dienstabteil, das im Modell vereinfacht angedeutet ist.


    Insbesondere beim Sessel und bei den Sortierfächern über dem Tisch dachte ich mir: "Das geht besser". Also wurden die genannten Teile entfernt…


    …und durch Neuanfertigungen ersetzt. Der 1:87-Schaffner hat etwas Lesestoff und ein Kaffeehäferl erhalten.

  • Hallo


    wie groß machst du die Tische?


    LG


    Die Abmessungen der Tische sind 6mm x 2,5mm. Das entspricht auch ziemlich genau den auf 1:87 umgerechneten Maßen eines Tisches in den 4020ern der letzten Bauserie (lange Schlierenwagen im Originalzustand zum Nachmessen gibt es ja leider nicht mehr).

  • Manchmal findet man interessante Vorbildfotos an Orten, wo man sie nicht unbedingt vermuten würde. Vor einiger Zeit schaute ich mir auf einer norwegischen Seite dortige Eisenbahnbilder an. Und dann entdeckte ich, dass diese Seite auch eine Rubrik "Østerrike" hat – und dort stieß ich dann auf dieses Bild:

    Quelle: https://jernbane.net/bo/subpage.php?s=0&id=102893&u=31789


    Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Regionalzug Wien Westbf. – St. Valentin. Dass es sich um einen Zug von Amstetten Richtung Gesäuse handelt, ist eher unwahrscheinlich – er hätte dazu nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof die Westbahngleise queren müssen. So ein Zug wäre eher nicht am Hausbahnsteig gestanden.


    Der zweiten Wagen ist anhand der gewöhnungsbedürftigen Farbgebung leicht identifizierbar: Es handelt sich um den bereits in Antwort 198 vorgestellten Farbversuchswagen 50 81 20-75 527-9. Weiters erkennt man einen Halbgepäckwagen und einen 2.-Klasse-Wagen der selben Bauart – rein "zufällig" habe ich diese Wagen vor kurzem ebenfalls beleuchtet und die Inneneinrichtung überarbeitet (siehe auch Antwort 205).


    Meine Nachbildung dieses Zuges besteht im Detail aus folgenden Fahrzeugen:



    1042 593-2 (Roco 63608 )



    50 81 82-75 117-4 BDmpsz (Roco 45023)



    50 81 20-75 527-9 Bmpz (Roco 44850.2)



    50 81 20-75 239-1 Bmpz (Roco 45020)



    Von diesem Zug "in Action" habe ich ein kleines Video angefertigt:

    https://youtu.be/nhryTRz7fDU


    Ich hoffe, dass es gefällt! Über Anregungen und Kommentare würde ich mich freuen

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  • Ende der 90er-Jahre gab es Bestrebungen, den eine Dekade zuvor mit den 5090ern begonnenen Modernisierungsschub der Schmalspurbahnen fortzusetzen. Dem Zeitgeist entsprechend kamen dafür aber nur noch Niederflurfahrzeuge in Frage. In der Schweiz bewies der Hersteller Stadler mit den GTWs zwar, dass niederflurige Fahrzeuge auch auf schmaler Spur prinzipiell möglich sind, aber im traditionell fortschrittsfeindlichen Österreich war man auf den entscheidungstragenden Ebenen ob der technischen Machbarkeit eher skeptisch. Mit den stets überzeugenden Argumenten "des geht ned", "des homma no nia gmocht" und "do kunnt jo a jeda kumman" wurden derartige Ideen bereits im Keim erstickt.


    Im Jahr 1998 wurde wegen des hohen Frachtaufkommens auf der als "Krumpe" bekannten Mariazellerbahn-Zweigstrecke der westlichste Abschnitt (Wieselburg-Gresten) auf Normalspur umgebaut. Ein paar engagierte Eisenbahner hatten daraufhin eine unkonventionelle Idee: Die nicht mehr benötigten Rollwagen sollten nicht ungenützt verrosten, sondern sollten sich noch im Personenverkehr nützlich machen. Kurzerhand wurde einer der seit 1996 für die normalspurige Nahverkehrsflotte in großen Stückzahlen gebauten Doppelstockwagen auf Rollwagen verladen und auf eine Testfahrt geschickt.


    Die Initiatoren versprachen sich durch das Zurückgreifen auf Fahrzeuge einer großen Serie geringere Beschaffungskosten als bei der Entwicklung eines komplett neuen Fahrzeugs, von dem dann nur wenige Exemplare beschafft werden hätten können. Die Probefahrt war dennoch kein Erfolg: Der Niederflureinstieg befand sich plötzlich auf einer Höhe von ca. 1,2 Meter – es hätten also an sämtlichen Bahnhöfen und Haltestellen Hochbahnsteige errichtet werden müssen. Aber die Einstiegshöhe war nicht das einzige Problem: Alleine der Dosto-Wagen hat die vierfache Masse eines normalen Schmalspurpersonenwagens, aber nur rund doppelt so viele Sitzplätze. Dazu kamen noch die beiden Rollwagen, die ebenfalls jeweils etwa so viel wie ein schmalspuriger Personenwagen auf die Waage bringen. Der Dienstwagen war aus betrieblichen Gründen unverzichtbar, für den regulären Personenverkehr hätte er zur Energieversorgung des Doppelstockwagens noch mit einem Generator ausgerüstet werden müssen. Insgesamt also ein sehr ungünstiges Masse-pro-Sitzplatz-Verhältnis. Dass ein Wendezugbetrieb auch nicht möglich gewesen wäre (im Gegenteil, der Dienstwagen hätte umfangreiche Verschubmanöver an den Endbahnhöfen erfordert) spielte für das Scheitern dieser Idee nur noch eine sehr untergeordnete Rolle.


    Da diese Testfahrt sehr kurzfristig eingelegt wurde (um zu verhindern, dass sie von höheren Ebenen unterbunden wird), gibt es leider kaum Fotos davon. Eine Aufnahme habe ich vor einiger Zeit in irgendeinem DSO-Thread gefunden:

    (Autor: Werner Hardmeier, Quelle (*): https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,7305583)



    Ich habe diese Probefahrt auf meiner Parkettbodenbahn nachgestellt.






    Und für die Freunde bewegter Bilder gibts auch noch ein YouTube-Video:



    https://youtu.be/LOEVSwlCI18


    lg 4010-freak


    (*): Fotomontage auf Basis zweier der verlinkten Bilder von Werner Hardmeier und eines SGP-Werksfotos

    Einmal editiert, zuletzt von 4010-freak ()

  • Ein Wendezugbetrieb wäre möglich gewesen, wenn man einfach einen Steuerwagen verwendet hätte. Ein paar Kilometer Kabel durch Dih/s und die 2095 (evtl. eine Art Geisterwagen für die Elektronik dazwischen hängen) und geht schon. :D





  • April-Scherze mit der Bahn sind sehr imTrend muss ich sagen. So wie der Gz-Begleitwagen und die 44er im Vectron Farbkleid. Gesehen heute auf Facebook.

    Gruß Matthias



    "Digital? Was ist das? Kann man das Essen oder braucht man dafür einen Experten?"

    Ich bin zwar keiner dieser "Experten", aber bisschen was hab ich dazu am Kasten.

    Wer was über dieses Thema wissen will: https://www.opendcc.de/index.html


    "Wo ist der kompetente Mitarbeiter wenn man ihn braucht? - In der Werkstatt, wo sonst?"

    Zu meinem Inhaltsverzeichnis der Werkstatt ----> hier lang!!


    "Bilder? Sind digital, können daher nur von mir sein. Außer ich sag dass sie nicht von mir sind."

  • Hallo!


    Freut mich, wenn der kleine Aprilscherz gefallen gefunden hat
    Die beschriebenen Rahmenbedingungen (Umspurung der Strecke Wieselburg-Gresten und daraus resultierender Minderbedarf an Rollwagen sowie gelegentliche Überlegungen zur Modernisierung des Schmalspur-Fuhrparks) entsprechen der Wahrheit, aber die Geschichte mit dem Doppelstock-Wagen ist erfunden – auch wenn es auf Österreichs Schmalspurbahnen ab und zu tatsächlich recht skurille Normalspurwagen-Transporte gab…


    lg 4010-freak

  • Ab Ende der 30er-Jahre beschaffte die Deutsche Reichsbahn in größeren Stückzahlen neue Wagen für den Schnellzugverkehr. Um den Luftwiderstand bei den angestrebten hohen Geschwindigkeiten zu verringern, wurden sie besonders windschnittig gestaltet. Die verkleideten Längsträger brachten ihnen die Bezeichnung "Schürzenwagen" ein. Von den über 300 Wagen 3. Klasse verblieben nach dem Krieg auch 19 Stück in Österreich, wo sie – wie auch viele andere ältere Wagenbauarten – unter anderem gepolsterte Sitze, Halbfenster und später auch Gummiwulst-Übergänge erhielten. Nach über 60 Betriebsjahren wurden sie zwischen 1989 und 1995 ausgemustert.


    Das folgende Bild zeigt so einen Wagen im letzten Betriebszustand am 24.9.1991 in Innsbruck:

    (Quelle: railroadpictures.de, mit freundlicher Genehmigung von Bildautor Peter Wittmann)


    Modelle der Schürzenwagen im Maßstab 1:87 gibt es von Märklin und Liliput, wobei beide Hersteller auch ÖBB-Varianten fertigten. Dabei handelt es sich allerdings nur um geringfügig modifizierte Farbvarianten, bei denen einige österreich-spezifischen Umbauten nicht berücksichtigt wurden – ein Phänomen, das auch einige weitere ÖBB-Modelle nach Vorbildern ehemaliger Reichsbahn-Wagen betrifft (z.B. die Eilzugwagen von Roco, die ich bereits vorgestellt habe). Insbesondere wurde am Wagenkasten nichts geändert, die Halbfenster mit den abgerundeten Ecken sitzen in den kantigen ursprünglichen Fensteröffnungen und Regenrinnen gibt es natürlich auch keine. Märklin hat zur Darstellung der Halbfenster nur die ursprünglichen Fallfenster bedruckt, Liliput hat immerhin ein neues Fensterband konstruiert. Ansonsten hat man fast den Eindruck, dass die Hersteller ein bisschen voneinander abgeschaut haben – die Wagen in der Jaffa-Farbgebung haben nämlich den selben Wagen zum Vorbild und teilweise auch die gleichen Fehler in der Modellumsetzung.


    In meinem Bestand befindet sich schon seit einiger Zeit das Liliput-Modell, das einst unter der Artikelnummer 383305 produziert wurde.


    Sehr auffällig sind die Dachlüfter, die bei den ÖBB-Wagen allerdings entfernt wurden (wahrscheinlich bei der Umlackierung ins Jaffa-Design). Aber die Dachlüfter sind nicht die einzige Ungereimtheit. Oberhalb der Fenster sieht man auf der Abteilseite längliche Lüftungsöffnungen, die bei den Vorbildern vermutlich beim Umbau auf Halbfenster verschwanden. Weiters sind Raucher- und Nichtraucherseite vertauscht – den selben Fehler weist übrigens auch der Märklin-Wagen auf.


    Wenn man von vorne auf den Wagen schaut, fallen die ehemaligen Laternen-/Schlusscheibenhalter an den Ecken des Daches sowie die Fenster an den Stirnseiten auf. Die "Schuhschachteln", auf der die Gummiwulst-Übergänge montiert wurden, sind beim Modell in einem Stück mit dem Gummiwulst gegossen und einfärbig schwarz; beim Vorbild waren die "Schachteln" hingegen blutorange. Warum man bei einem Modell das Übergangsblech im heruntergeklappten Zustand nachbildet, verstehe ich auch nicht ganz – im Zugverband sieht mans nicht und am Zuganfang oder -ende müssten die Bleche hochgeklappt sein.


    Da mir der Wagen so nicht so recht gefallen wollte, startete ich wieder einmal ein kleines Bastelprojekt. Die markanten Dachlüfter wurden entfernt, die Laternenhalter und die Lüftungsöffnungen wurden verschlossen und die Wagenkastenenden wurden im unteren Bereich abgeflacht, um Platz für die Heizkabel und den Federweg der Pufferteller zu schaffen. Weiters erhielt die Schürze oberhalb des Drehgestells einen Ausschnitt für die Lichtmaschine.


    Erstmals führte ich auch an der Außenseite eines Modells kleinere Lackierarbeiten durch. Perfekt ist es nicht geworden, aber ich kann damit leben. Vielleicht lackiere ich das Dach bei Gelegenheit noch neu – dann aber nicht mit dem Pinsel sondern mit Airbrush… Da ich mir bei den schwer zugänglichen und ohnehin kaum sichtbaren Stirnfenstern das Kitten und Schleifen sparen wollte, habe ich die Fenster mit einem schmalen Streifen Tixo verschlossen. Die Übergangsbleche waren, wie man auch oben am Vorbildfoto erkennen kann, tatsächlich blutorange lackiert, aber natürlich stark verschmutzt. Ich habe versucht, das darzustellen.


    Wegen der vertauschten Raucher- und Nichtraucherseite hatte ich zunächst in Erwägung gezogen, die Piktogramme zu ersetzen. Nachdem mir nach dem Verschließen der Lüftungsöffnungen über den abteilseitigen Fenstern keine Asymmetrien am Wagenkasten mehr aufgefallen sind, habe ich ihn einfach um 180° gedreht auf Unterteil und Inneneinrichtung aufgesetzt. Weiters habe ich ein paar Stellen farblich nachbehandelt (Griffstangen, Türschnallen, Bremsumsteller) und ein Drehgestell mit einer Lichtmaschine versehen.


    Wie man auf dem vorigen Bild bei genauer Betrachtung bereits erahnen kann, blieb auch die Inneneinrichtung nicht unberührt. Die war ursprünglich einfärbig (in einem seltsamen Farbton) und recht einfach gehalten.


    Leider kenne ich keine Innenaufnahmen der originalen Wagen. Ich schätze aber, dass sie so ähnlich gestaltet waren wie andere Abteilwagen mit 8 Plätzen pro Abteil – also Sitzbänke mit einer halbhohen Rückenlehne und eine gemeinsamen Kopfpolster-Leiste für alle vier Plätze mit einer mittigen Unterteilung. In der Slowakei (und anderen osteuropäischen Ländern) kann man solche Abteile (wenn auch in etwas moderneren Wagen) immer noch "bewundern": http://www.vagonweb.cz/fotogalerie/SK/ZSSK_B.php


    Um die halbhohen Rückenlehnen darzustellen, habe ich die Abteiltrennwände mit dem oberen Teil der ursprünglichen Lehne entfernt. Die WC-Wände musste ich ebenfalls entfernen – nicht weil sie so schlecht waren, sondern um am Rest der Inneneinrichtung leichter arbeiten zu können. Kopfstützen, Trennwände und ein paar weitere Teile wurden neu angefertigt.


    Zusammengebaut, bemalt und mit ein paar Figuren versehen schaut die Einrichtung meiner Meinung nach schon ganz passabel aus.


    Das ab Werk lichtdurchlässige Gehäuse habe ich mit der bewährten Alufolien-Methode abgedichtet. Damit steht einem Einsatz des nun beleuchteten Wagens nichts mehr im Weg


  • 4010-freak: herzlichen Dank für deine Superbeschreibung! :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

    Nicht eigens gekennzeichnete Fotos sind von mir, bzw. aus meinem Archiv und ich habe die Erlaubnis sie zu veröffentlichen.