Neues aus dem steirischen Randgebirge

  • Servus Jürgen,


    wollt bloß schreiben, wegen des Heizers Taufe.

    Ich wäre bereit, der Leiterwagen mit dem Anzündholz ist beladen.

    Hinter der Hütte war noch genügend.

    Und die ersten Ehrengäste wären auch schon da.

    Da ich das Bild gemacht habe, kann ich ja nicht drauf sein.

    Außerdem weiß ich noch gar nicht wie ich aussehe.


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    LG Bernd

  • Mitzi und Toni sind kurz verreist, unter der Woche geht das.

    Der Jürgen hat sie auch neugierig gemacht, mit den Stangen vom Schellnegger Erich.

    Und der Hr. Ingenieur Kraftl hat sich persönlich um die zwei gekümmert.

    Ist extra zum Bahnhof um beide abzuholen.

    LG Bernd

  • Eine Weltreise ins steirische Randgebirge


    Mitzi und Toni sind kurz verreist, unter der Woche geht das.

    Der Jürgen hat sie auch neugierig gemacht, mit den Stangen vom Schellnegger Erich.

    Und der Hr. Ingenieur Kraftl hat sich persönlich um die zwei gekümmert.

    Ist extra zum Bahnhof um beide abzuholen.

    Jessas, DESWEGEN ist es seit ein paar Tagen so angenehm ruhig in meinem Hobbykeller...

    Sagt's der Mizzi, sie kann sich ruhig noch ein wenig Zeit lassen!

    Vor der fiacht sie niemand, denn die is auf Wöödreise im Steirischen unterwegs!

    Liebe Kollegen,


    verstehe ich schon, dass man grad in diesen Zeiten wieder einmal vom Reisen träumt. Von Kärnten in die Steiermark ist es über die Pack heute ja ein Katzensprung und mit der Koralmbahn in ein paar Jahren erst recht, aber abseits davon kann eine solche Reise durchaus zur Weltreise werden, vor allem wenn man nicht mit dem Auto, sondern mit Bus und Bahn reist.


    1:17 für knapp 80 km wirft der Routenplaner aus für eine Autofahrt von Hüttenberg im oberen Görtschitztal bis nach Gradenberg. Ohne Auto schauts schlechter aus ("ÖPNV-Routen nicht verfügbar").


    Wie wäre man wohl zu Zeiten der Mizzi und dem Toni - also Mitte der 50er Jahre - vom Görtschitztal ins steirische Randgebirge gereist? Lassen wir uns daher auf das Gedankenspiel einer solchen Reise ein - den Segen vom Karl kurzzeitig das Kärntnerische zu verlassen haben die beiden und lange werden sie auch nicht bleiben, denn sie müssen ja am kommenden Freitag wieder rechtzeitig zurück in Kärnten sein.



    Mangels Kursbücher aus den 50er Jahren habe ich mich am Österreichischen Kursbuch von 1914 und weiteren Einzelunterlagen aus den 30er und 50er Jahren orientiert und einen zeitenübergreifenden Blick auf die öffentlichen Verkehrswege dieser Epochen geworfen. Auf den betrachteten Linien dürfte sich bei den Fahrzeiten zwischen 1914 und den 30er und 50er Jahren ohnedies nicht viel geändert haben.


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    Los geht's:
    Abfahrt in Hüttenberg mit dem P 1611 um 6:05. In den Zug waren anno 1914 Wagen der 2. und 3. Klasse eingestellt. Ein späterer Reiseantritt mit dem P 1613 um 11:55 wäre aussichtslos gewesen, wollte man ohne Übernachtung auskommen. Ankunft in Launsdorf um 7:01 und Weiterfahrt mit dem P 918 nach exakt 1 Stunde Aufenthalt um 8:01 in Richtung Obersteiermark bis nach St. Michael und Ankunft um 10:58. Weiterfahrt diesmal immerhin schon nach 15 Minuten mit dem S 1110 bis nach Buck an der Mur. Ab Launsdorf wär auch die 1. Klasse möglich, aber das werden sich die Mizzi und der Toni kaum geleistet haben.


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    Ankunft in Bruck an der Mur um 11:56 und Weiterfahrt um 12:09 mit dem Schnellzug Nummer 1. Anno 1914 war das übrigens ein Zug der Südbahngesellschaft (SB), mit dem man von Wien Südbahnhof (Abfahrt 8:45) umsteigefrei bis an die Adria nach Triest Südbahnhof (Ankunft 21:10) reisen konnte. Selbstverständlich mit Speisewagen. Für Mizzi und Toni aber keine Option, denn sie müssen den Schnellzug ohnedies nach 55 Minuten schon wieder verlassen.


    Ankunft in Graz Hbf um 13:04 und Weiterfahrt um 13:33 mit der P 607 der Graz-Köflacher Eisenbahn. Allerdings weder 1914 noch Mitte der 50er Jahre mit dem "roten Blitz in die Weststeiermark" wie es ab den 60ern üblich war. Mit diesem Spruch wurde man übrigens in den 80er und 90er Jahren schon am Aufgang zum Bahnsteig am Grazer Hauptbahnhof freundlich und unübersehbar begrüßt und auf die weitere Bahnfahrt eingestimmt. Anno 1914 dauerte die Fahrt nach Köflach noch 1:23, heute sind es knapp über 50 Minuten.


    Ankunft in Köflach schließlich um 14:56 und dann war 1914 wohl der Stellwagen bis Gradenberg angesagt. In den 50er Jahren konnte man auch den Bus nehmen, denn ab 1935 wurde von der GKB der Busbetrieb eingeführt und die Täler und Berge der Weststeiermark angefahren. Nach dem Busfahrplan von 1939 würde man bereits um 15:10 in den Bus der Strecke Köflach - Stubalpe - Judenburg steigen und hätte nach weiteren rund 10 Minuten endlich Gradenberg erreicht. Nach einer Reisezeit von 9 Stunden und 18 Minuten würden die Mizzi und der Toni gemeinsam mit dem Ingenieur Kraftl schnurstracks in die Felsenkellerei gehen und sich erst einmal ein kühles Blondes in die trockenen Kehlen schütten.


    Auf ihrer Reise hätten sie 3 Personenzüge, 2 Schnellzüge und 1 Bus benutzt. Die reine Fahrzeit hätte 7 Stunden und 6 Minuten betragen und anno 1914 hätte man 3 Bahngesellschaften nützen müssen (kkStB, Südbahn, GKB), Mitte der 50er nur mehr ÖBB und GKB. Da kann man schon was erleben...


    Wollte man übrigens die Nutzung der vermutlich teureren Schnellzüge vermeiden, dann wäre man erst um 18:58 in Köflach angekommen - dann allerdings ohne weiteren Busanschluss und für die restliche Strecke hätte man auf das älteste Fortbewegungsmittel der Welt zurückgreifen müssen. Und die Felsenkellerei wäre dann auch schon geschlossen.



    Alternativen dazu? Klar!


    Mit Aufnahme des Busverkehrs der GKB ab 1935 konnte man auch mit dem Bus von der Obersteiermark in die Weststeiermark reisen. Ein mir vorliegender Fahrplan aus dem Jahre 1939 weist allerdings nur eine einzige Tagesverbindung aus: Vormittags von Köflach nach Judenburg und Nachmittags retour. Hieße für Mizzi und Toni wiederum frühmorgens raus, mit dem Zug um 6:05 von Hüttenberg über Launsdorf bis nach Judenburg, Ankunft um 10:15, dann Stadtrundgang und Besichtigung von Stadtturm und der historischen Altstadt, denn Zeit ist ja genug: der einzige Bus in die Weststeiermark fährt erst um 16:10 ab. Aus Hüttenberg mit dem P 1613 um 11:55 würde man es hingegen nicht rechtzeitig bis nach Judenburg schaffen. Da mag es aber in den 50er Jahren bessere Verbindungen gegeben haben. 1951 ist der Busverkehr übrigens von der GKB auf die Post übergegangen


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    Mit dem Bus wäre man um 17:15 am Gaberl auf 1551 m Seehöhe und etwa um 18:10 schließlich in Gradenberg. Reisezeit in diesem Fall zwar unattraktive 12 Stunden und 8 Minuten aber immerhin nur 5 Stunden und 12 Minuten reine Fahrzeit, zwar knapp 2 Stunden weniger als bei der Variante über St. Michael und Graz, trotzdem gleich ab in den Felsenkeller...



    Geht' auch nur mit der Eisenbahn?


    Kommen wir abschließend zur letzten und natürlich besten Möglichkeit, der Nutzung der Bahnlinie durch den Sallagraben. Abfahrt wie bereits bekannt um 6:05 in Hüttenberg, Umsteigen in Launsdorf in den ebenfalls schon bekannten P 918, diesmal aber Aussteigen erst in Knittelfeld um 10:38. Weiterfahrt dann entweder gleich um 10:52 mit dem Eilzug E 918 oder um 12:10 mit dem Personenzug direkt in die Weststeiermark mit Halt in Gradenberg um 12:02. Die Fahrt das Lobmingtal hinauf, durch den rund 4800 m langen Scheiteltunnel ins Weststeirische und dann den Sallagraben wieder hinunter dauert 1:10 mit dem Eilzug und 1:31 mit dem Personenzug. Nach Ankunft mit dem Eilzug gehen die Mizzi und der Toni direkt in die Bahnhofswirtschaft und gönnen sich ein gutes weststeirisches Hendl.


    Für die Zuglauf- und Wagenplaninteressierten unter uns sei noch vermerkt, dass der E 918 um 5:23 in Lienz mit einem Pw und 2 B startet, in Villach um drei weitere B sowie in den Sommermonaten um einen AB-Kurswagen von Oostende verstärkt und in Knittelfeld schließlich noch durch einen Postbeiwagen ergänzt wird. Ankunft dann in Graz um 12:53.


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    Die Reisezeit beträgt knapp 6 Stunden mit dem Eilzug und die reine Fahrzeit liegt bei 4 Stunden und 42 Minuten. Das klingt doch ganz passabel...


    Bliebt mir mir nur noch eine gute Reise zu wünschen!

    Schöne Grüße

    Jürgen



    PS:

    Sehe grad, in der Eisenbahn- und Schiffahrtskarte von 1958 sind die Bahnen im steirischen Randgebirge gar nicht eingezeichnet. Da stimmt was nicht, aber das kriegen wir auch noch hin...

    ;)


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    PPS:

    Jetzt ist es sich gar nicht ausgegangen über die Stangerl zu reden, aber nur soviel: das sind Holzstangen. Auch das Thema Holz hinter oder vor der Hütte wollen wir heut' nicht mehr anreißen...

    Vorerst daher: Bleibt gesund und weiterhin dabei!


  • Ich brauch jetzt a Zeitl bis ich den Mund wieder zubring, bis dahin verharre ich in staunen 🙏

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.


    Heute schon gespritzt? Hol dir deine Impfung.

  • Also das ist akribisch bis zum geht nicht mehr - man kann überall bis ins letzte Detail gehen, warum also nicht auch in der Nachstellung einer fiktiven Reise in den "Fünfzigern"!

    LG Gerhard

    kkStB174


    Alle Fotos ohne zusätzliche Quellenangabe sind von mir gemacht!

  • Tere liebe Kollegen,


    Mitzi und Begleiter sind wieder nach Kärnten zu ihrem Karl heimgereist und dort hoffentlich auch gut angekommen. Wie ich gehört habe, waren Käferbohnen, ein paar Ligister Würstl und zwei Flaschen mit sehr dunklen verschiedenfarbigen Flüssigkeit im Gepäck... auf eine davon werden wir demnächst noch zu sprechen kommen - vorerst aber: Prost Mahlzeit!


    Befassen wir uns wieder mit unseren "Stangerln": Eure Ideen gehen im Prinzip schon in die richtige Richtung und lassen auch Vorlieben erahnen....

    Der Held vom Bohnenfeld?

    Oder Versuch des Hopfenanbaus.

    Würde auch auf Hopfen tippen ...

    Hopfen und Malz, Gott erhalt's!

    Himbeeren für den Himbeergeist.:3:


    ...sind aber doch etwas einseitig. Hier einmal der momentane Sachstand in der Ladestelle Krenhof:






    Da zeichnet sich doch was ab...



    Ach ja, noch ein Wort zur Bahnreise in die Weststeiermark in den 50ern:

    Höchstwahrscheinlich waren die Mitzi und ihre Begleitung mit der 671 von Graz nach Köflach unterwegs.

    Kein schlechter Tipp und irgendwie auch naheliegend, allerdings war Mitte der 50er Jahre die ehrwürdige 671 - eine Maschine der Südbahnreihe 29 mit Baujahr 1860 - auch schon glatte 95 Jahre alt. Und wie es sich schon damals für solche alten Damen gehörte, wurde sie nur mehr in untergeordneten Diensten eingesetzt, z.B. dem Verschub von Kohlenzügen in Bärnbach und Oberdorf.


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    (Quelle: https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?17,1278311)


    Wär' ja auch zu einfach, da bräuchte man nur das schöne Modell von Liliput nehmen, etwas in Richtung Ausführungsstand 50er Jahren zu modifizieren und es läuft.


    Die Personenzüge von Graz nach Köflach und Wies waren damals aber regulär meistens mit Loks der Südbahnreihe 17c bespannt. Will man so einen Zug im Modell nachstellen, stößt man schon auf gröbere Schwierigkeiten (außer man heißt Lokschnitzer... - siehe LINK) ...seufz.


    Viele Grüße und noch einen schönen Palmsonntag

    Jürgen

  • Zu den Stangen fällt mir noch „garteln“ im weitesten Sinn ein. Tomaten, Stangenbohnen, junge Obstbäume brauchen auch Stütze....

    Hmmm, auf alle Fälle freu mich auf die Fortsetzung :)

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.


    Heute schon gespritzt? Hol dir deine Impfung.

  • Frohe Ostern liebe Kollegen!


    Rundherum sprießt und grünt es wieder - auch beim Erich im Eisenbahnergarten:









    Der Garten vom Erich? Nun ja, es ist ein kleiner Gemüsegarten neben dem Gütermagazin der Ladestelle Krenhof, den der Erich als Eisenbahner bewirtschaften und nutzen darf, aber wie Ihr euch denken könnt, ist es mehr der Garten von der Vroni. Natürlich freut sich auch der Erich über Gemüse und Salat, und vor allem haben es ihm die Käferbohnen angetan, die er am liebsten im Herbst mit Sauerkraut und Grammeln isst, aber wenn's nach dem Erich ginge, dann tät's in dem Garten auch ein paar Himbeersträucher geben, die er dann zu erlesenem Himbeergeist brennen würd'...


    Immerhin wachsen zwischen Gurken, Häuplsalat und Tomaten jedoch auch noch ein paar gute Kräuter, über die noch zu reden sein wird. Und dann gibt's ja auch noch den Hasenstall - der Erich kann also schon recht zufrieden sein.




    Viele Grüße

    Jürgen