Neues aus dem steirischen Randgebirge

  • Tere wieder einmal im Steirischen Randgebirge,


    weil die Arbeiten an der 188.01 grad für ein Weilchen ruhen, machen wir diesmal einen Abstecher zur Ladestelle Krenhof. (siehe auch #305)


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    Von den Eisenbahnanlagen im unteren Krengraben ist heute ja leider nicht mehr viel zu sehen, aber aus den Gesprächen mit den alten Herren vom früheren Eisenbahnerstammtisch beim Lustigen Bauern konnte ich zumindest die Ausführung der Gleisanlagen in den späten 50er Jahre rekonstruieren.


    Und das kam so: Nach einigen geselligen Bummerln und ein paar Achterln beim alten Wiednerwirt zum Lustigen Bauern ist dann der Katzenschlager Toni mit einem Foto aus der Ladestelle Krenhof rausgerückt, das ihm sein alter Jugendfreund Heinzi bei seinem letzten Steiermark-Besuch zugesteckt hat. Das schon etwas vergilbte Bild zeigt eine Dampflok der Reihe 989 in der Ladestelle Krenhof vor dem seinerzeitigen Magazin und der markanten Felswand im engen Graben


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    Und wie sie dann da alle zusammen gesessen sind, der Toni, der Schellnegger Erich, die Blaumann-Brüder und noch ein paar andere Haudegen aus der guten alten Dampflokzeit, da haben sie dann auch über die Geschichte der Eisenbahnen in Krengraben zu erzählen begonnen. In Krenhof und im sich daran anschließenden Krengraben befanden sich um die Jahrhundertwende bereits einige industrielle Einrichtungen, ein paar Eisenhämmer und Kalkbrennereien nebst zugehörigen Arbeiterwohnhäusern sowie im weiteren Verlauf des Tales und in den Seitentälern zahlreiche kleinere Steinbrüche, die im Tagebau bewirtschaftet wurden. Mit dem Bau der Bahn durch den Sallagraben und der in Krenhof abzweigenden Lokalbahn nach Hochtregist anno 1905 wurde zwar eine Haltestelle an der Lokalbahn in Betrieb genommen, eine eigene Ladestelle jedoch wegen zu geringer Wirtschaftlichkeit nicht errichtet. Dies konnte erst nach Einführung neuer Abbaumethoden bei den Blöschl-Brüchen und entsprechend hohen Abfuhrmengen an Kalkstein und Quarzen erreicht werden.


    Aufgrund der engen Tallage wurde die Ladestelle nicht in Form eines beidseitig angebundenen Ladegleises errichtet, sondern in das Seitental in Richtung der Blöschl-Brüche verschwenkt und nur einseitig an die Lokalbahnstrecke angebunden. Die Ladestelle verfügte über zwei Gleise, von denen das "Hauptgleis" als Anschlußbahn weiter zu den Steinbrüchen führte. Ende der 50er Jahre waren die Steinbrüche allerdings nicht mehr in Verwendung und daher endete auch dieses Gleis schon damals - nur gesichert durch Schwellen - ebenfalls in der Ladestelle.


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    In Betrieb stand jedoch noch die 600mm Materialbahn und bei den alten Recken ganz besonders gut in Erinnerung war der mächtige Portalkran, der bereits Anfang der 20er Jahre für die Umladung von den schweren Kraftwerksbauteilen von der Vollspur auf die Materialbahn errichtet wurde. Über die konkrete Ausführung dieses Krans gingen die Meinungen jedoch stark auseinander.


    Die einen erinnerten sich an eine Holzkonstruktion...


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    ... die anderen an einen eisernen Kran...


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    ... nur der Schellnegger Erich, der immerhin jahrelanger Magazinmeister in Krenhof war, sprach im Brustton der Überzeugung von einem Kran mit wuchtigen hölzernen Stehern, auf die 2 schwere I-Eisenträger als Querträger und Laufschiene aufgesetzt waren.


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    Tja, wer weiß, wie es wirklich war...


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    Bis zum nächsten Mal

    Jürgen



    PS: Zum "Kärntner" Heizhaus

    Hm.. schwierig. Ich hätte zuerst auf Wolfsberg getippt, aber hier gab es die vertikal angeordneten großen Steine zwischen den Seitenfenstern (ja ich weiß, äußerst unfachmännisch ausgedrückt) nicht.


    Die einständigen Heizhäuser Kötschach-Mauthen, Weizelsdorf und Hüttenberg fallen weg. Auch beide Rundhäuser in Villach und jenes in Klagenfurt ebenso. Das Langheizhaus in St. Veit/ Glan (dreiständig) auch. Wie die Heizhäuser in Arnoldstein und Spittal / Millstättersee früher ausgesehen haben ist mir nicht bekannt bzw. kann ich jetzt auch nicht nachschlagen.


    Dann bleibt eigentlich nur mehr Rosenbach über - das, auf Grund der sehr charaktaristischen Fenster oberhalb der Einfahrtstore auch sehr genau mit deinem Plan übereinstimmt :)

    TOP, der Kandidat hat 100 Punkte!

    Das wird wieder so eine Geschichte, wie es dieses Kärntner Heizhaus in die Steiermark verschlagen hat...

  • Du solltest nach dem Ingenieur ... hmmh *), na, nach dem Ingenieur von Brown-Boveri fragen, der wusste über das Gewicht der verladenen KraftwerksTeile bescheid, das hilft vielleicht bei der richtigen Wahl des Umlade-Krans ...


    Klaus


    *) Kraftl hat der glaub' ich geheißen

  • Jürgen, wo hast du immer die leiwanden Gschichtln her? Das ist echt schön zu lesen, mann kann sich richtig in die rauchige Wirtshausstubn hineinversetzen, wo die ganzen Hawara Schmäh führen. ^^

  • Servus Jürgen!


    Danke für das unterhaltsame G´schichtl und es wird sicher spannend welche Kran-Variante schlußendlich zum Einsatz kommt!


    LG Christian

  • Servas die Madln, griass Eich die Buam,


    heute muss es ein paar klärende Worte geben:

    Du solltest nach dem Ingenieur ... hmmh *), na, nach dem Ingenieur von Brown-Boveri fragen, der wusste über das Gewicht der verladenen KraftwerksTeile bescheid, das hilft vielleicht bei der richtigen Wahl des Umlade-Krans ...


    Klaus


    *) Kraftl hat der glaub' ich geheißen


    Klaus,

    meinst du diesen Herrn?






    Der Herr Ingenieur Kraftl baut also Kraftwerke? Oje, da hast du dir von dem alten Herrn aber einen sauberen Bären aufbinden lassen. Beim Stammtisch vom Lustigen Bauern hätt' er sich das nicht sagen getraut, denn dort haben sich damals in den 50ern nicht nur zahlreiche Eisenbahner, sondern auch die Ingenieure von der Kraftwerks-Bauleitung auf ein Stehachterl getroffen, welches natürlich nicht im Stehen sondern im Sitzen, gemütlich, eingenommen wurde.


    Der Herr Kraftl war damals sowas wie der erste Tourist in Krenhof. Jedes Jahr hat er sich auf Sommerfrische für mehrere Wochen beim Lustigen Bauern im Zimmer unter der Dachschräge einquartiert. Dem Wiedner Alois vulgo Lustiger Bauer mit seinen drei Töchtern war das gar nicht so recht, weil der Kraftl Korbinian schon ein bisserl ein Weiberer war, wenn auch nicht mehr der jüngste. Aber ein gutes Geld war es natürlich schon, von den abendlichen Hollerschnäpsen und den zahlreichen Krügel Lichtes am Stammtisch gar nicht zu reden.


    Und so hat der Kraftl Korbinian mit dem Wissen vom Stammtisch gerne auch tagsüber auf seinen Spaziergängen rund um Krenhof das große Wort geführt...






    ... und es dabei mit der Wahrheit auch nicht immer so ganz genau genommen. So waren z.B. beim Kraftwerkwerksbau auch ganz andere Baufirmen eingesetzt; auf der Infotafel beim Wanderweg an der Krenhofer Ladestelle kann man das ganz gut nachlesen:





    Im Übrigen wurde der Kran, um den es heute auch noch einmal gehen soll, ja bereits in den frühen 20er Jahren erbaut, da war selbst der Kraftl Korbinian noch ein junger Hupfer.


    Um nun auch der Frage nach dem richtigen Kran näher zu kommen, habe ich alle meine 3 Kräne nebeneinander aufgestellt. Links der "Holzkran" aus einem Bausatz von Faller, in der Mitte der "eiserne Kran" aus einem Bausatz von Albulamodell sowie rechts der Holz-Eisenkran als selbst gebautes Vorab-Muster - und darunter zwei Amerikaner mit einer Fuhre schwerer Stahlträger:





    Zu erkennen ist, dass sich die Kräne in der Größe unterscheiden, wobei der Faller-Kran meines Erachtens nicht ganz maßstäblich ist und in H0 etwas größer sein müsste. Das Faller-Modell habe ich ohnedies nur als Anregung für einen solchen Typ gesehen. Ein passenderes Modell könnte man sich aber aus Holzleistchen in richtiger Größe leicht basteln.





    Den entscheidenden Hinweis für den richtigen Kran in der Ladestelle Krenhof habe ich dann im Buch "Feldbahnen in Österreich" von Manfred Hohn gefunden:




    Im Abschnitt über die Materialbahn zur Kraftwerksbaustelle im Teigitschtal zeigen mehrere Fotos einen mächtigen 10 Tonnen-Portalkran, der in der seinerzeitigen GKB-Ladestelle Gaisfeld stand.




    Angesichts der Tatsache, dass mit diesem Kran nicht nur schwere Stahlteile für das Speicherkraftwerk verladen wurden, sondern auch ganze Lokomotiven (die zur Materialbahn nämlich), habe ich einen solchen Kran für meine Ladestelle auserkoren. Für den bereits fertigen eisernen Ladekran, der ursprünglich vorgesehen war, muss nun allerdings einen anderen Aufstellungsort gefunden werden...

  • Also ich mag deine Geschichten schon sehr gerne, und der Kran mit seinen Stütz - und Tragebalken aus Holz wirkt für mich viel authentischer, uriger.

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.


    Heute schon gespritzt? Hol dir deine Impfung.

  • der Holz-Eisenkran als selbst gebautes Vorab-Muster


    Ein passenderes Modell könnte man sich aber aus Holzleistchen in richtiger Größe leicht basteln.

    Ja, bitte aus Holz in Eigenbau schnitzen!


    :):thumbup: Michael

    LG Michael


    Meine Fotos sind selbstgeschnitzt, soweit nicht explizit auf eine fremde Quelle hingewiesen wird.

  • Der Kraftl Korbinian, offenbar ein echter G'schicht'ldrucker (neudeutsch Fakenews-Poster) ... da soll er ziemlich kompetent aufgetreten sein, seinerzeit. Aber wie man sieht, mit der Zeit verklären sich die Tatsachen.


    Musste natürlich gleich in Feldbahn-Bibel über den Bau des Teigitschtal-Kraftwerkes nachlesen, bin schon gespannt, wie vortrefflich Dir der Kran gelingen wird :)


    Klaus

  • Jaja, der Korbinian, der alte Dampfplauderer. So manche Dame soll ihm aber auch nicht abgeneigt gewesen sein, anscheinend hat er doch Eindruck gemacht. ;)


    Ja eben, deswegen war auch der Wiedner-Wirt wegen seinen Töchtern nicht gerade glücklich. Neben den Ingenieuren von der Bauleitung und dem Eisenbahner-Stammtisch auch noch der Korbinian, da musst du schon ein g'standenes Wirtshausmadl sein. Andererseits die Mitzitant...


    Bleiben wir lieber bei den technischen Themen.


    @ Curator, Lokschnitzer, falls Ihr den Kran links im Bild im Beitrag #1.427 gemeint habt's, den wird es vorerst nicht geben, denn eine solche Konstruktion erscheint mir für eine Errichtung in den 20er Jahren etwas zu antiquiert. Aber das Motto meiner Modellbahnanlage lautet ja Eisenbahn und Industrie, also vielleicht kommt dieser Holzkran einmal bei einer anderen Ladestelle zum Zug.


    Ich habe mir den Kran rechts im Bild im Beitrag #1.427 für meine Ladestelle ausgesucht, so wie er auch in der GKB-Ladestelle Gaisfeld in den 20er Jahren errichtet wurde. Leider war aber bei den Eisenbahnern vom Lustigen Bauern kein Originalplan mit genauen Abmessungen aufzutreiben, daher habe ich mir aus den Fotos des letztens genannten Buches eine Skizze für den weiteren Nachbau in 1:87 abgeleitet:


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    Als nächstes ging es dann darum, die abgeschätzte Größenordnung mittels eines einfachen Vorab-Kartonmodells zu überprüfen und in den Hauptabmessungen noch etwas anzupassen:


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    Nachdem mir dann alles soweit stimmig erschien, habe ich mit dem eigentlichen Bau des Krans begonnen. Die beiden wuchtigen Steher sind aus Holzleisten entstanden, allerdings entgegen der Skizze mit etwas dünneren Leistchen. Danach habe ich noch mit einem aufgesetzten Kartonblock als Dummy für den Eisenquerträger die Proportionen des Kranmodells überprüft:


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    Der Kartonblock wird später natürlich durch richtige I-Träger aus Messing ersetzt, allerdings müssen dazu erst die beiden Laufkatzen konstruiert werden, die bei diesem Kran vorhanden waren. Bauen werde ich diese Teile später wieder aus Ätzteilen, wie schon bei dem Kran in der Isolatorenfabrik.


    Bis dahin...
    Jürgen

  • Servus Jürgen,


    das sieht sehr gut aus! Der Größenvergleich zwischen der eh schon kleinen 92er und der Feldbahnlok ist ein Hammer :D


    lg

    Gottfried

    Meine Gebirgsstrecke/Endbahnhof: (Klick aufs Bild)

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  • Liebe Kollegen,


    bekanntlich ist der Ingenieur Kraftl ein ziemlicher Gschaftluber: immer darauf aus, sein umgängliches Wesen der Menschheit zukommen zu lassen. Da bleibt es nicht aus, dass bei seinen Spaziergängen auch die Arbeiter an der Ladestelle Krenhof in den Genuss anregender Gespräche kommen.




    Ganz besonders hat es dem Herrn Kraftl der imposante Kran angetan und hier tun sich gleich eine Reihe von Fragen auf, die dem Korbinian Kraftl unter den Nägel brennen...




    ... so zum Beispiel wie der Kran eigentlich angetrieben wird? Per Hand scheint das nicht zu erfolgen, denn wozu wäre sonst der große Holzverschlag neben dem Kran vonnöten? Ein elektrischer Antrieb gar oder doch ein Verbrennungsmotor? Auf den ersten Blick sind weder eine elektrische Zuleitung noch ein Auspuffrohr zu erkennen - das gilt es also demnächst noch zu erforschen...