Neues aus dem steirischen Randgebirge

  • Und jetzt das Ganze auf deiner Anlage/deinem Diorama. Echter geht's nicht.... :thumbup::thumbup::thumbup::3:

    Nicht eigens gekennzeichnete Fotos sind von mir, bzw. aus meinem Archiv und ich habe die Erlaubnis sie zu veröffentlichen.

  • Jetzt ist auch die zweite 92 halbwegs fertig. Beide Maschinen harren noch der letzten Dinge, die sich wie immer ziehen (einige farbliche Nachbesserungen und Finish, Besetzung mit Lokführer und Heizer, Bekohlung). Weitere Beschreibungen und vielleicht auch das eine oder andere Foto in schöner steirischer Landschaft gibt's erst, wenn alles erledigt ist. Ich bitte um Geduld, es kann sich nur noch um Jahre handeln...

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    Zum Umbau der beiden Loks, siehe auch #937

  • Ich seh' da auf dem 2. Foto Figuren mit "merkwürdigen" Kopfbedeckungen ...


    ;)


    Klaus

    Nach der seinerzeitigen Diskussion über die Bekleidungsgepflogenheiten des Dampfokpersonals habe ich etwas Recherche betrieben und meine Eisenbahnbücher durchgeackert. Dabei bin ich zu folgender natürlich nicht repräsentativen Statistik für die Dampflokära ca. Ende der 50er Jahre gekommen:


    Die typischen Kopfbedeckungen: meistens die bekannte Dienstkappe, manchmal eine Art Stoffhauberl (bei den Heizern) oder gar nix, und nur ab und zu etwas Exotischeres, wie z.B. ein Traisentalhut oder ein Steirerhut.


    Zur Farbe der Oberteile: überwiegend dunkelblau, recht oft auch hellblau, selten grau, schwarz quasi nie, einmal ein weißes Unterhemd (im Sommer auf der Schmalspur).


    Aufgefallen sind mir auch viele offene Krägen und (natürlich sicher auch jahreszeit- bzw. wetterabhängig) aufgekrempelte Ärmel.


    Dies habe ich nun versucht, in 1:87 umzusetzen, auch um etwas mehr Abwechslung in die typischen Preiser-Lokpersonale zu bringen.

    :)

  • Offensichtlich reißt sich das Lokpersonal um die beiden Edeldampfrösser!!!!


    Ich such noch den Lokführer mit Gamsbart am Kapperl...


    LG Christian

  • Offensichtlich reißt sich das Lokpersonal um die beiden Edeldampfrösser!!!!


    Ich such noch den Lokführer mit Gamsbart am Kapperl...


    LG Christian

    Du meinst den?



    Das ist der Herunter Johann mit Steirerhut, allerdings ohne Gamsbart, denn den Steirerhut hat man zwar früher auch ohne Anzug zur Arbeit getragen, allerdings "ohne Schmuck". Übrigens, um an dieser Stelle wieder einmal aus dem Hödlmoser zu zitieren: "Richtig ist vielmehr, dass alles, was ein Steirer anzieht, ein Steireranzug ist"

    ;)

  • Du willst uns schon wieder ein echtes Foto als Modellfoto unterjubeln, gibs zu 8)

    Nicht eigens gekennzeichnete Fotos sind von mir, bzw. aus meinem Archiv und ich habe die Erlaubnis sie zu veröffentlichen.

  • Lucky,


    das ist eine GKB 50er in "ÖBB Tarnung", die der rinnenden 52.100 zu Hilfe kommen wollte. Leider haben die fleißigen Leutchen am Semmering für die Weiterfahrt der Lok nach Wien zu wenig Bockerl gesammelt, sodass Dampfnot eingetreten ist - was zur Verspätung und zum Einsatz der 2050 nach Ernstbrunn führte.


    Der hier erwähnte Herunter Hans ist für seine Jodelkunst weithin gerühmt, böse Zungen behaupten manchmal, dass er nicht die Lokpfeife betätigt sondern seinen Kehlkopf aktiviert. Mit dem Kratzer Sepp (sein Standard- Heizer) tritt er auch auf diversen Festen als "Schienen-Duo" auf.


    Der Jürgen unterjubelt uns immer unveröffentliche 1:1 Fotos aus seinem schier unerschöpflichen Fundus, Lucky, solltest Du doch schon längst wissen!


    ;)


  • Der Jürgen unterjubelt uns immer unveröffentliche 1:1 Fotos aus seinem schier unerschöpflichen Fundus, Lucky, solltest Du doch schon längst wissen!


    ;)

    Natürlich weiß ich das, aber dass er immer noch glaubt dass wir darauf reinfallen versteh ich nicht :P

    Und übrigens: Die "Schwöllnbanda" = auf hochdeutsch Schwellenkapelle gab es im Bahnhof Pamhagen in echt! 3 Eisenbahner der GySEV musizierten gemeinsam.

    Nicht eigens gekennzeichnete Fotos sind von mir, bzw. aus meinem Archiv und ich habe die Erlaubnis sie zu veröffentlichen.

  • Der hier erwähnte Herunter Hans ist für seine Jodelkunst weithin gerühmt, böse Zungen behaupten manchmal, dass er nicht die Lokpfeife betätigt sondern seinen Kehlkopf aktiviert. Mit dem Kratzer Sepp (sein Standard- Heizer) tritt er auch auf diversen Festen als "Schienen-Duo" auf.

    :thumbup::thumbup::thumbup:

    Der Hans ist nicht nur für seine Jodlkunst bekannt, sondern auch für seine berüchtigten Gstanzl. Mit seinem Kompagnon stand er in Konkurrenz zu den bekannten Kernbuam, die es mit dem "steirischen Brauch" allerdings zu etwas größerer Berühmtheit gebracht haben, wobei auch deren Lied "Ja in Gradenberg" durchaus zu begeistern wusste.


    Der Hans und sein Kratzer Sepp waren übrigens beim Lustigen Bauern damals sehr gefragte Leute: Donnerstags immer der Eisenbahner-Stammtisch und jeden 2. Dienstag der Volksmusikabend. Am Besten war es, wenn der Hans einfach ins Blaue hineingereimt hat:


    Sechts Leit-'ln, des is halt der steirische Brauch, holladio,

    a guata Haaza und a schene Maschin, holladio.

    Sechts Leit-'ln, des is halt der steirische Brauch,

    holladio, Juchu, holladio holladio holladio

    Juchu, holladio

    des is halt der steirische Bauch,


    Da Sepp hat gsagt, i soll d'Bremsn anziagn, holladio,

    habs falsch verstanden und hab'n Regla aufdraht, holladio.

    Sechts Leit-'ln, des is halt...


    :bier:


    Natürlich weiß ich das, aber dass er immer noch glaubt dass wir darauf reinfallen versteh ich nicht :P

    Die alten Schmähs sind immer noch die besten. Hier noch ein Foto von meiner Spielzeugeisenbahn im Keller

    :):):);)


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  • Das mit den Gstanzln wollte ich nicht erwähnen, denn mit vorgerückter Stunde waren die Texte absolut nicht mehr jugendfrei ...


    Ja, die Kern-Buam - die flotte Musik ist noch heute vielerorts beliebt und die Arrangements von Blasmusikensembles immer wieder zum Besten gegeben. Sie standen im Wettbewerb mit Slavko Avsenik und den Original Oberkrainern. Beide Kapellen Frühschoppenmusik vom Feinsten!


    Wenn der Herunter Hans sein grünes Jopperl ang'habt hat, war in Analogie und Stolz der schnelleren Fahrt im Gegensatz zum über die Berge schleichenden "Blauen Blitz" der "Grüne Steirerblitz" angesagt, sehr zum Leidwesen vom Kratzer Sepp, der als "Dampferzeugungsingenieur" um sein Leben schaufeln musste, damit der Dampfdruck nahe dem Spitzenwert zu finden war (die Kohle war oft auch ziemlich mies). Aber es ging ja um die Steirerehre und um die Hoheit am Eisenbahner-Stammtisch. Und wie deutlich zu sehen ist, war die "Maschin'" auch ordentlich gepflegt, nicht so verdreckt, mit Kalkspuren und braunem Nebel über alles, nein, einfach drauf g'schaut, ist ja nicht mein's. Somit hatte der Maschinenmeister nie was zum meckern.


    Klaus

  • Der letzte Kobel...


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    Die Reihe 92 bzw. frühere kkStB 178 war immer im steirischen Randgebirge zu Hause. Vor allem die Bedienung der Güterzüge auf der Lokalbahn nach Hochtregist oblag seit der Betriebsaufnahme diesen starken altösterreichischen D-Kupplern.


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    Erst mit weiterer Zunahme des Güterverkehrs auf der Lokalbahnstrecke und dem Erscheinen der BBÖ 378, der späteren ÖBB 93, hat sich ihr Aufgabenfeld in Richtung Bahnhofsverschub und Arbeitszüge verschoben.


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    Anno 1957 waren aber immerhin noch beide Stamm-92er vorhanden und intensiv im Einsatz.


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    Eine davon, die 92.2271 kann man sogar als richtige Weststeirerin zu bezeichnen, denn sie kam bereits in den späten 20er Jahren in das steirischen Randgebirge und wollte dann auch nicht mehr weg.


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    Das mag auch an einer ganz speziellen Persönlichkeit gelegen haben, dem die gedeihliche Hege und Pflege der Dampfloks um Gradenberg im Allgemeinen, die der Reihe 178 bzw. der 92.2271 aber ganz im Besonderen, sehr am Herzen lag. Die 92.2271 stand nämlich unter der persönlichen Obhut des Herrn Klaus Edlmayr, über viele Jahre hinweg Dienstellenleiter in Gradenberg.


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    Der Herr Edlmayr war ein ausgewiesener Dampflokexperte und vor allem ein kkStB-Enthusiast, heute würde man ihn "Fan" nennen, mit viel Wissen über die ältere und jüngere Eisenbahnhistorie. Da er so nebenbei auch Besitzer einer respektablen Sammlung altösterreichischer Eisenbahnuniformen und als Persönlichkeit durchaus hoch angesehen war, trug er übrigens den Spitznamen "der Edle aus dem Norden". Der Edlmayr Klaus war nämlich kein Hiesiger, was aber im industrialisierten steirischen Randgebirge noch nie ein Problem sondern eher typisch war, denn über die Jahrhunderte sind immer Handwerker und Arbeiter aus vielen Regionen der Monarchien sowie aus den Ländereien herum hergezogen und die meisten sind sesshaft geworden.


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    Aber, um auf den Edlmayr Klaus zurückzukommen, genau deshalb verfügte er über zahlreiche Beziehungen über die Region hinaus wie z.B. auch ins Obersteirische zu einigen ehemaligen Ausbildungskollegen, die es in die dortige Hauptwerkstätte verschlagen hatte.

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    Diesem Umstand ist wohl zu verdanken, dass die 92.2271 vermutlich als einzige ihrer Reihe über die Jahre und einige Hauptuntersuchungen hinweg bis in die 50er Jahre noch den charakteristischen und für die Rh 178 typischen Kobel-Schornstein behielt.


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    Unser letztes Bild zeigt beide 92er in der Verladestelle der Gößnitzer Waldbahn. Interessanterweise schaut der Führer der 92.2271 dem damaligen Dienstellenleiter verblüffend ähnlich. Und warum ausgerechnet an diesem Tag für den Überstellzug zur Waldbahn gleich eine Doppelbespannung nötig war, wird wohl auch ähnlich rätselhaft bleiben wie der an der 92er erhalten gebliebene Kobel...


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  • Die Kombination aus deinen Geschichten und den stimmungsvollen Bilder versetzt mich ein paar Jahrzehnte zurück in die gute, alte Zeit.

    Liebe Grüße.

    Wolfgang

    Quality since 1958

    Sofern nicht anders angegeben, bin ich der Urheber der in meinen Beträgen geposteten Bilder.


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  • Ja, ja, der Edlmayer Klaus! Bücher hätt' er schreiben können über all das, was in seinem Kopf war, eine wahre Fundgrube an Wissen über die "gute, alte Zeit", als noch die Dampfrösser im Steirischen unterwegs waren, so, wie es der Rosegger Peter trefflich beschrieben hat.


    Der Herr Pfarrer hat ihn auch immer wieder beauftragt, ob seines charakteristischen Bartes im Pfarrkindergarten als Nikolo aufzutreten - was er auch gerne tat. Als Uniformträger war er ja gewohnt, "würdig" aufzutreten, damit natürlich auch bestens geeignet als Nachfolger des berühmten Bischofs von Myra (heute Demre an der Südküste der Türkei) zu "erscheinen".


    Trotz ihrer Jahre waren die 92er wahre Schmuckstückerln, gepflegt und ganzer Stolz der Mannschaften. Was vielleicht die wenigsten wissen, ist die Tatsache, dass von der Lok in der Krauss'schen Lokomotivfabrik zwei Probelokomotiven gebaut wurden, deren eine den Namen KLAUS trug.